Wirtschaft : Putin lockt die Investoren

Der russische Markt gilt nach tiefgreifenden Reformen wieder als lukrativ – auch für deutsche Firmen

Bernd Hops

Berlin - Gerhard Schröder und Wladimir Putin sind gute Freunde. Gipfeltreffen der beiden geraten schnell zu einer Art Familienfeier. Diesen Sonntag ist es wieder so weit. Der Kanzler und der Präsident werden die Hannover Messe eröffnen. Beide können darauf verweisen, dass die enge Zusammenarbeit nicht nur auf Regierungsebene stattfindet. Russland ist Partnerland der Technologieausstellung in diesem Jahr. Klaus Mangold, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, feierte im Vorfeld die Kooperation: „Wir sind sehr stolz darauf, dass Russland so stark auf der Hannover Messe vertreten ist.“ Mehr als 160 russische Firmen würden ihre Produkte präsentieren. Für den parallel stattfindenden deutsch-russischen Wirtschaftstag hätten sich gut 700 Firmen angemeldet.

Dank hoher Energiepreise hat 2004 der russische Export nach Deutschland – Russland ist der wichtigste Lieferant von Öl und Gas ( siehe Grafik ) – auf 16,2 Milliarden Euro zugelegt. Deutschland lieferte Maschinen und andere Waren im Wert von 14,9 Milliarden Euro. 1999, dem Jahr vor Putins Amtsantritt, exportierte Russland lediglich für 8,4 Milliarden Euro und kaufte nur für 5,1 Milliarden Euro ein.

Chefwerber Mangold erwartete zwar nicht, dass es diesmal wie beim letzten Treffen von Putin und Schröder im Dezember Unterschriften unter spektakuläre Verträge geben wird. Aber bisherige Projekte werden wohl vorangetrieben. So ist in Siemens-Konzernkreisen zu hören, dass es in Hannover weitere Schritte bei den Gesprächen über die milliardenschwere Lieferung von ICE-Zügen geben soll.

Aber nicht nur der deutsche Export Richtung Russland dürfte sich positiv entwickeln – voraussichtlich mit zweistelligen Raten. Mangold geht auch von wachsenden Investitionen deutscher Unternehmen in dem Land aus. „2005 wird es hier einen Anstieg geben.“ Allerdings ist das auch nicht schwer: Nach den schlechten Erfahrungen, die einige Firmen in den 90er Jahren machen mussten, hielten sie sich zuletzt zurück. „Aber wir sehen, dass sich viele Unternehmen mit dem russischen Markt wieder intensiv beschäftigen“, sagte Mangold. Schließlich lebten dort 130 Millionen Verbraucher. Und es habe sich einiges grundlegend verändert. „Vor drei, vier Jahren hätte man noch viel über Mafia geredet, jetzt nicht mehr.“ Gleichzeitig wachse die russische Wirtschaft kräftig. Und der geplante Beitritt zur Welthandelsorganisation kurbele die Reformen an. Die staatlich angeordnete Zwangsversteigerung des privaten Ölkonzerns Jukos habe zwar zu Irritationen geführt. Jukos sei aber ein Einzelfall, sagte Mangold.

Deutsche Unternehmen äußern sich ebenfalls positiv. „Russland ist ein sehr interessanter Markt mit Wachstumsperspektiven“, sagte Siemens-Sprecher Andreas Fischer dem Tagesspiegel. „Von dem Wachstum wollen wir profitieren.“ Russland gehöre zusammen mit China, Europa und den USA zu den Schwerpunktmärkten des Konzerns. Seit Monaten prüfen die russischen Wettbewerbshüter die mögliche Übernahme eines Maschinenbauers durch ein Joint-Venture, an dem Siemens beteiligt ist. Ein Ende ist noch nicht absehbar. Trotzdem heißt es: „Wir halten an dem Kaufinteresse fest.“

Gernot Erler (SPD), der Koordinator für die deutsch-russische zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit, sagte dem Tagesspiegel, Russland sei trotz aller politischen Probleme, die es zurzeit gebe, ein lohnendes Ziel für Unternehmen. Allerdings müsse man einen langen Atem haben. „Wer die Kraft hat, sich dauerhaft in Russland zu engagieren, wird auch belohnt werden. Wer aber nur auf die ganz schnelle Rendite guckt, für den eignet sich das Land nicht“, sagte Erler. Zwar stelle der Fall Jukos einen Rückschlag dar, der bei Investoren teilweise zu Verunsicherung geführt habe – „aber wenn man von diesem spektakulären Fall absieht, dann kann man viele gute Fortschritte erkennen“. Positiv zu werten sei auch, dass der russische Präsident im vergangenen Dezember die Zusage zu einem kritischen Dialog – etwa zur Lage in Tschetschenien und dem gesamten Nordkaukasus – gemacht hat. „Putin scheint es ernst zu meinen. Ich hoffe, dass wir schon in Hannover weiter kommen.“

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