Wirtschaft : Q-Cells hat einen amerikanischen Freund

4,8 Millionen Aktien des Solarzellenherstellers wurden verkauft, die meisten bekam der US-Fonds Fidelity

Moritz Döbler

Berlin - Die deutsche Solarbranche ist amerikanischer geworden: Große Publikumsfonds haben in der Nacht zum Freitag 4,8 Millionen Aktien und damit rund 13 Prozent aller Anteile des Solarzellenherstellers Q-Cells für knapp 330 Millionen Euro gekauft. Rund die Hälfte ging nach Angaben aus Finanzkreisen an die US-Gesellschaft Fidelity, der Rest überwiegend an europäische Fonds. Finanzvorstand Hartmut Schüning sagte dem Tagesspiegel, der Einstieg dieser großen Player zeige Vertrauen in die Entwicklung der Firma mit Sitz in Sachsen-Anhalt. „Das finden wir sehr positiv.“

Vorausgegangen waren heftige Kursbewegungen des im Tec-Dax notierten Titels. Am Vortag schwankte Q-Cells zwischen plus 20 und minus 18 Prozent. In den vergangenen beiden Wochen hatte sich der Wert zeitweise sogar verdoppelt.

Die Neu-Investoren zahlten 68 Euro je Aktie, etwas weniger als den Schlusskurs vom Donnerstag. Zwar liegt der Verkauf eigentlich noch innerhalb der Haltefrist von sechs Monaten nach Börsengang. Doch hätten sich der Finanzinvestor Apax und drei Alt-Aktionäre bereit erklärt, wegen der Marktnachfrage vorzeitig Aktien abzugeben, hieß es.

Apax als drittgrößter Aktionär hatte zuletzt knapp zwölf Prozent der Anteile gehalten und reduzierte die Beteiligung nun auf etwa zwei Prozent. Nach Ende der Haltefrist im April dürfte auch dieser Anteil zum Verkauf stehen und Apax-Manager Christian Reitberger sein Aufsichtsratsmandat niederlegen. „Das kann ich jetzt noch nicht kommentieren“, sagte er auf Anfrage. Schüning sagte, Q-Cells würde es begrüßen, wenn der promovierte Physiker und Technologie- experte Mitglied des Gremiums bliebe.

Weitere verkaufte Anteile stammen Finanzkreisen zufolge von drei Adressen ebenfalls aus dem Umfeld des Aufsichtsrats: von der TVVG Solarbeteiligungen, die von Q-Cells-Aufsichtsratschef Thomas van Aubel beherrscht wird, von Pluto Solarbeteiligungen, die von dessen Ehefrau beherrscht wird, sowie von der IBG Beteiligungsgesellschaft des Landes Sachsen-Anhalt, die den stellvertretenden Aufsichtsratschef Dinnies-Johannes von der Osten stellt.

Abgewickelt haben die Transaktion die Citibank und Dresdner Kleinwort Wasserstein, ohne deren Zustimmung der Verkauf innerhalb der sechsmonatigen Haltefrist nicht möglich gewesen wäre. Das Q-Cells-Management hat sich verpflichtet, die Aktien sogar für mindestens zwölf Monate zu halten, also bis Oktober.

Fidelity ist nun drittgrößter Anteileigner, die beiden größten bleiben zwei Investoren der ersten Stunde: Immo Ströher, der zur Wella-Dynastie gehört, und Marcel Brenninkmeyer aus der C&A-Familie. Beide investieren seit Jahren in der Branche. Den jüngsten Solaraktien-Boom hat die Ankündigung des US-Bundesstaats Kalifornien ausgelöst, Milliarden in die Sonnenenergie zu investieren. Die ebenfalls im Tec-Dax, dem Index der 30 führenden Technologietitel, notierte Solarworld kündigte am Freitag eine „ordentliche“ Dividende an. Beide Titel legten zu: Q-Cells kletterte zeitweise um sieben Prozent, Solarworld um fünf Prozent.

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