Qantas : Känguru-Airline geht an private Investoren

Die australische Fluggesellschaft Qantas wird für den Rekordpreis von umgerechnet 6,6 Milliarden Euro an private Investoren verkauft. Sollte der Deal klappen wäre das das teuerste Geschäft aller Zeiten in der Luftfahrt.

Sydney - Wie das Unternehmen mitteilte, nahm der Verwaltungsrat das verbesserte Übernahmeangebot eines von der australischen Investmentbank Macquarie und der US-Investorengruppe Texas Pacific angeführten Konsortiums an. Der Kaufpreis entspricht den Angaben zufolge 5,60 australischen Dollar pro Aktie. Am Vortag hatte Qantas noch ein Angebot des Konsortiums in Höhe von 5,50 Dollar pro Aktie abgelehnt. Der Deal ist in Australien heftig umstritten. Ministerpräsident John Howard kündigte eine genaue Prüfung an.

Wird die Übernahme der Känguru-Airline von den Aktionären und den australischen Behörden genehmigt, wäre es die größte Transaktion dieser Art in der Geschichte der Luftfahrt. Die 1920 gegründete Qantas ist die zweitälteste Fluglinie der Welt und im Gegensatz zu vielen anderen Airlines ein lukratives Unternehmen. Der Nettogewinn lag im Geschäftsjahr 2005/2006 bei 479,5 Millionen australischen Dollar (285,5 Millionen Euro). Laut Experten verfügt die Airline mit dem Känguru als Emblem auch über eine lupenreine Sicherheitsbilanz: Noch nie hatte Qantas einen tödlichen Unfall zu verzeichnen.

Zustimmung der Aktionäre steht noch aus

Qantas-Chefin Margaret Jackson hob hervor, dass die Aktionäre mit dem nun vorliegenden Angebot einen "deutlichen Gewinn" erzielen könnten. Seit Qantas am 6. November mitgeteilt hatte, Ziel einer Übernahme zu sein, war der Aktienkurs bereits um ein Drittel gestiegen. Nach Bekanntgabe des Deals zog der Kurs dann erneut um 4,5 Prozent auf 5,32 australische Dollar an. Für die Übernahme wird noch die Zustimmung von 90 Prozent der Aktionäre gebraucht. In der australischen Öffentlichkeit tobt eine heftige Debatte um den Verkauf. Zum einen wird befürchtet, dass ausländische Investoren die Oberhand in dem nationalen Vorzeigeunternehmen gewinnen könnten. Die Gewerkschaften befürchten zudem, dass die neuen Besitzer die Gehälter nach unten drücken könnten.

Regierungschef Howard äußerte in einem Radiointerview die Erwartung, dass "Qantas die Qantas bleibt, die wir kennen". Die Airline werde von den Menschen geliebt, sie sei eine "Ikone". Nach dem australischen Gesetz darf die Fluggesellschaft nicht zu mehr als 49 Prozent ausländischen Investoren gehören. Bislang liegt dieser Anteil bei 46 Prozent. Das Konsortium um die Macquarie-Bank und Texas Pacific Group versprachen, dass die ausländischen Investoren künftig nicht mehr als 40 Prozent der Anteile halten würden. Jeder einzelne dieser Investoren werde nicht mehr als 15 Prozent besitzen.

Zehn Milliarden Dollar für neue Flugzeuge

Zudem zog das Konsortium in den zähen Verhandlungen eine Reihe zuvor gestellter Bedingungen zurück. Die Gruppe sicherte zu, an dem bisherigen Investitionsplan festzuhalten. So werde Qantas in den kommenden fünf Jahren zehn Milliarden australische Dollar in den Kauf von 70 neuen Maschinen stecken und so seine Kapazitäten um 40 Prozent ausweiten. "Wir werden langfristig in eine stärkere Qantas investieren", erklärte der Vizechef des Konsortiums, Bob Mansfield.

Qantas gehört zu den Großkunden von Airbus. Ende Oktober hatten die Australier trotz der Lieferverzögerungen beim A380 acht weitere Maschinen des Super-Jumbo bestellt, nachdem sie zuvor bereits zwölf in Auftrag gegeben hatten. Die 20 Flugzeuge sollen zwischen 2008 und 2015 ausgeliefert werden. Obwohl sie weiterhin schwarze Zahlen schreibt, war der Gewinn von Qantas im abgelaufenen Geschäftsjahr wegen der hohen Kerosinpreise um 30 Prozent gesunken. Mitte des Jahres kündigte die Airline die Streichung von 1000 Stellen an. Aus demselben Grund waren zuvor bereits mehrfach die Ticketpreise erhöht worden. (tso/AFP)

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