Quadriga-Preis : Griechenlands Ministerpräsident "hat Mut bewiesen"

Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou erhält in Berlin den Quadriga-Preis. Dass Deutsche-Bank-Chef Ackermann die Laudatio hält, ist kein Zufall.

Hätte man im vergangenen Mai auf den Straßen eine Umfrage gemacht und die Deutschen gefragt, ob die Griechen ihnen ein Vorbild sind, die meisten hätten dem Fragesteller wohl einen Vogel gezeigt. Die Mehrheit der Bürger war dagegen, dass der Staat dem hochverschuldeten Griechenland unter die Arme greift. „Pleite-Griechen“, giftete die Boulevard-Presse wochenlang.

Am Sonntagabend im Konzerthaus am Gendarmenmarkt war die Stimmung deutlich harmonischer. Das Orchester spielte Beethovens „Ode an die Freude“ und noch etwas Fröhliches aus der „Zauberflöte“. Dann wurde dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou die Quadriga verliehen, ein Preis, gestiftet von Bürgern und Unternehmern. Ihn bekommen Menschen, die „Vorbilder für Deutschland und Vorbilder aus Deutschland“ sind, hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer bei der einleitenden Rede vor 1300 Gästen gesagt.

Warum Papandreou ein Vorbild für Deutschland ist, erzählte Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank. Und machte dabei deutlich, was er von der öffentlichen Meinung hält: Nichts. „Politiker haben es schwerer als wir Manager“, sagte er. „Sie erfahren in täglichen Umfragen, was die Bürger von ihrer Arbeit halten. Es gehört viel Mut dazu, diesem Druck nicht nachzugeben.“ Papandreou habe diesen Mut bewiesen, als er die Zahlen offenlegte, die ihm seine Vorgänger hinterlassen haben, Zahlen, die zeigten, dass sein Land kurz vor der Pleite stand. Mut habe er auch bewiesen, als er trotz der gewaltigen Proteste seinen Bürgern ein eisenhartes Sparprogramm verordnete.

Dass Ackermann die Laudatio auf den Ministerpräsidenten hielt, ist kein Zufall. Der Deutsche-Bank-Chef war schon im Februar nach Athen gereist, um mit Papandreou zu beraten, wie sich Griechenland frisches Geld beschaffen könnte. Zwar hatte Ackermann immer wieder behauptet, die Deutsche Bank halte kaum griechische Anleihen in ihren Büchern. Eine Vertrauenskrise, wie sie nach der Lehman-Pleite ausbrach, hätte aber auch sein Haus getroffen. Und schließlich war auch die Postbank, die neue Tochter der Deutschen Bank, mit Milliarden in Griechenland engagiert.

Die Bundesregierung stimmte am Ende für den 750-Milliarden-Euro-Rettungsschirm. Das machte Griechenland bei den Investoren wieder kreditwürdiger. In seiner Laudatio zitierte Ackermann Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Der habe während der Griechenlandkrise einmal gesagt: „Man muss nicht machen, was die Mehrheit will, man muss die Mehrheit überzeugen.“ Auch Schäuble, der zur Zeit im Krankenhaus liegt, wurde an diesem Abend geehrt: Gemeinsam mit Lothar de Maizière erhielt er eine Quadriga für die Architektur der deutschen Einheit.

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