Wirtschaft : Qualitätskontrolle: Kontrolleure unter sich

Henrik Mortsiefer

Wer kontrolliert die Kontrolleure? Auf eine Antwort hat die Öffentlichkeit nach Holzmann, Flow-Tex, Babcock, Hypobank und all den anderen Pleiten, Pech und Pannen, in die Wirtschaftsprüfer involviert waren, lange gewartet. Bis heute ist nicht erwiesen, welche Rolle die KPMG im Holzmann-Drama gespielt hat, wieviel die Prüfer wussten, hätten wissen müssen oder einfach nicht wissen wollten. Die Akten liegen bei der Staatsanwaltschaft. Damit es in Zukunft so weit nicht mehr kommen muss, hat sich die Branche selber Zügel angelegt: Peer Review, die gesetzlich verankerte externe Qualitätskontrolle, soll von 2001 an für Durchblick sorgen. Wer sich von der Konkurrenz in die Bücher schauen lässt und dafür auch noch Geld ausgibt, bei dem wird schon alles mit rechten Dingen zugehen, so lautet die Botschaft.

Doch die Sache hat einen Haken. Vom Entwurf des Gesetzestextes über die Auswahl der Prüfer bis zur Überprüfung der freiwilligen Selbstkontrolle haben die Wirtschaftsprüfer die gesamte Qualitätssicherung in der Hand behalten. Eine lückenlose "Wertschöpfungskette", die von keiner neutralen Instanz ernsthaft unterbrochen wird. Schule machen sollte deshalb das Vorbild USA - aber anders, als KPMG und Co. es sich vorstellen. Was hierzulande fehlt, ist eine neutrale Institution wie die amerikanische Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission). Sie ist mit wirksamen Instrumenten ausgestattet, um betrügerische Prüfungsfehler zu bestrafen, Berufsverbote auszusprechen und zweifelhaft bilanzierende Unternehmen zu brandmarken. Verfassungsrechtliche Bedenken, die die Wirtschaftsprüfer gegen eine deutsche SEC bislang ins Feld führten, wirken vorgeschoben. Ernsthaft diskutiert wurde das Modell nicht. Peer Review kann deshalb nur ein Anfang sein. Der von KPMG und Ernst & Young gefeierte Durchbruch ist es nicht.

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