Wirtschaft : Qualitätskontrolle: KPMG lässt sich von Konkurrent in die Bücher schauen

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Als erste ihrer Branche haben die Wirtschaftsprüfer von KPMG einer Qualitätskontrolle durch einen Konkurrenten zugestimmt. KPMG gewährte im Rahmen des so genannten Peer Review, das vom 1. Januar 2001 an gesetzlich vorgeschrieben ist, den Wirtschaftsprüfern von Ernst & Young freiwillig Einblick in seine Bücher. Im Vorgriff auf die gesetzliche Regelung hätten KPMG und Ernst & Young damit den Maßstab für die Qualitätskontrolle der Branche gesetzt, und einen "gewaltigen Sprung zu mehr Transparenz und Vertrauen in die Arbeit der Wirtschaftsprüfer gemacht", sagte KPMG-Vorstandschef Harald Wiedmann am Montag in Berlin. KPMG war wegen nicht entdeckter Altlasten bei der ehemaligen bayerischen Hypobank und der Fast-Pleite des Baukonzerns Holzmann in die Kritik geraten. Betrug und Pleiten werde auch der Peer Review nicht verhindern, räumte Wiedmann ein. "Gegen Betrüger haben wir eine Schwachstelle." Mit Unterstützung der novellierten Wirtschaftsprüferordnung werde sich allerdings die Zunft besser bei Mandanten durchsetzen können, die sich bislang gegen strengere Bilanzierungsregeln gewehrt hätten, sagte Ernst & Young Deutschland-Chef Dietrich Dörner.

Beim ersten Peer Review habe es einiger Überzeugungsarbeit bei Mandanten bedurft, die die Wirtschaftsprüfer von ihrer Schweigepflicht hätten entbinden müssen, um die freiwillige Qualitätskontrolle zu ermöglichen, sagte Wiedmann. Erst vom kommenden Jahr an sind die börsennotierten Unternehmen dazu verpflichtet, bis Ende 2005 auch alle übrigen Unternehmen. Wenig hilfreich sei gewesen, dass eine beachtliche Zahl von Dax-Unternehmen nicht kooperieren wollte. "Die finanzielle Offenbarung ist nicht beliebt", so der KPMG-Chef. Es liege aber im Interesse der Wirtschaft, dass die internen Kontroll- und Überwachungsprozesse ausgebaut würden.

Der Peer Review erfolgt in Zukunft alle drei Jahre und umfasst betriebswirtschaftliche Pflichtprüfungen, die mit einem Siegel testiert werden. Ziel sei kein "zweiter Jahresabschluss", sagte Wiedmann. Ohne die Prüfung von Einzelfällen würden lediglich Prüfmethoden und die Nachvollziehbarkeit unter die Lupe genommen. Sollten dabei gravierende Fehler erkannt werden, lande der Fall vor einer Kommission der Wirtschaftsprüferkammer, sagte Dörner.

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