Wirtschaft : Quam startet mit sieben Tarifen

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Der neue Mobilfunkanbieter Quam geht mit sieben verschiedenen Tarifangeboten an den Start. Die Tarife seien darüber hinaus individuell auf die Bedürfnisse der Kunden anpassbar, sagte Quam-Chef Ernst Folgmann. Neben einem Prepaid-Angebot, bei dem der Kunde seine Gebühren im voraus bezahlt, gibt es zwei verschiedene Vertragsangebote für Privatkunden. Das Prepaid-Paket gibt es inklusive Handy für 149 Euro, die Verträge starten bei einer Grundgebühr von 4,95 Euro im Monat. Daneben gibt es drei verschiedene Geschäftskundentarife, ein spezielles Paket aus Handy und Organizer für die Nutzer von Datendiensten und eine Reihe von zusätzlichen Tarifoptionen. Wer sein altes Handy weiter nutzen will und bei Quam einen Vertrag abschließt, wird monatlich mit Freiminuten belohnt. So will Quam Kunden den Wechsel aus anderen Netzen schmackhaft machen.

Vermarktet werden die Produkte von Quam künftig auch von der Stuttgarter Telefongesellschaft Debitel. Debitel hat mit der jetzt geschlossenen Vereinbarung das selbstgesteckte Ziel erreicht, mindestens vier der sechs Anbieter für die kommende Mobilfunkgeneration UMTS im Vertrieb zu haben. "Für unsere Handelspartner war es wichtig, dass sie bei uns alle Leistungen aus einer Hand bekommen", sagte Debitel-Vorstandschef Peter Wagner in Stuttgart. Mit den beiden Marktführern T-Mobil und Vodafone sowie E-Plus hat das Unternehmen schon entsprechende Vereinbarungen.

Debitel hat kein eigenes Mobilfunknetz, sondern vermarktet Sprach- und Datendienste der Netzbetreiber. Derzeit hat Debitel in Deutschland und vier weiteren europäischen Ländern rund 9,7 Millionen Kunden und hofft im Weihnachtsgeschäft die Schwelle von zehn Millionen Teilnehmern zu überschreiten. Aus der Versteigerung der UMTS-Lizenzen im August 2000 war Debitel vorzeitig ausgestiegen. "Heute würden wir die Grenze nicht mehr bei zehn Milliarden Mark ziehen, sondern weit darunter", sagte Wagner. Es werde deutlich länger als ursprünglich erwartet dauern, bis sich die UMTS-Investitionen auszahlten.

Im Gegensatz zu Debitel hat Quam, das deutsche Gemeinschaftsunternehmen der spanischen Telefongesellschaft Telefónica und der finnischen Sonera eine UMTS-Lizenz für rund 16 Miliarden Mark erworben - aber bis jetzt noch keinen einzigen Kunden in Deutschland. Beim Vertrieb der ersten Quam-Produkte soll Debitel nun helfen. Für das Angebot nutzt Quam das Netz von E-Plus, denn das eigene UMTS-Netz befindet sich noch im Aufbau. Start soll hier im Jahr 2003 sein.

Neben Mobilfunkverträgen vermarktet Debitel im Festnetz auch Verträge für Ferngespräche (Preselection). Künftig will das Unternehmen das Festnetzangebot ausweiten und auch Ortsnetzanschlüsse vermarkten. Diese sollen bei der Deutschen Telekom eingekauft und dann an die eigenen Kunden weiter vermarktet werden. Zunächst hatte sich die Telekom jedoch geweigert, ein solches Wiederverkäufer-Angebot zu machen. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post verpflichtete sie jedoch dazu. Dagegen klagt der Ex-Monopolist, der im Ortsnetz noch immer einen Marktanteil von etwa 98 Prozent hat, nun vor Gericht. Auch wenn das Verfahren noch nicht entschieden ist, der Anordnung der Regulierungsbehörde muss die Telekom zunächst folgen. "Das Angebot, das die Telekom jetzt vorgelegt hat, ist nicht akzeptabel", sagte Debitel-Chef Wagner. Nun will Debitel ein Gegenangebot machen. Branchenkenner rechnen damit, dass Debitel die Regulierungsbehörde erneut einschalten wird. Vor Mitte kommenden Jahres wird nicht damit gerechnet, dass Debitel Ortsnetzanschlüsse vermarkten kann.

Debitel setzte im ersten Halbjahr rund 1,2 Milliarden Euro um (plus fünf Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2000) und erzielte dabei ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen von 62 Millionen Euro. Der Anteil des im Festnetz erwirtschafteten Umsatzes soll von derzeit fünf auf zehn bis 15 Prozent steigen.

Für die kommenden 18 Monate sei er für sein Unternehmen zuversichtlich, sagte Debitel-Chef Wagner. Für andere Service-Provider werde es jedoch eng. Debitel sei auf der Suche nach Zukäufen, nach Unternehmen, die die Wertschöpfungskette vertieften. Debitel könne sich Akquisitionen leisten, allein die Barmittel beliefen sich auf mehr als 100 Millionen Euro. Für den Konkurrenten Talkline habe sein Unternehmen jedoch kein verfeinertes Angebot abgegeben. "Die Gespräche ruhen", sagte Wagner. Das sei nicht allein eine Frage des Preises. Talkline passe in der derzeitigen Konstellation nicht zu Debitel. Talkline Niederlande hatte Debitel dagegen erst kürzlich übernommen.

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