Quartalsbilanz : Deutsche Bank trotzt Kapriolen auf Kapitalmärkten

Deutschlands größte Bank lässt die Krise an den internationalen Finanzmärkten kalt - sie steuert auf ein Rekordjahr zu. Auch in die Zukunft blickt die Deutsche Bank außerordentlich zuversichtlich.

Die Probleme auf dem US-Immobilienmarkt hätten zwar teilweise zu erschwerten Bedingungen geführt. Die Deutsche Bank werde aber ihren Erfolgskurs fortsetzen, sagte Vorstandschef Josef Ackermann. "Unser Geschäftsmodell mit einem strikten Risikomanagement und unabhängigen Kontrollprozessen ist darauf ausgerichtet, auch unter solchen Bedingungen erfolgreich zu sein."

In den ersten sechs Monaten 2007 kletterte der Gewinn um 30 Prozent auf ein Rekordniveau von 3,9 Milliarden Euro. Die von der Bank selbst als Messlatte genutzte bereinigte Eigenkapitalrendite vor Steuern betrug 38 Prozent, das ist ein Punkt mehr als im Vorjahreszeitraum und deutlich über der als Ziel ausgegebenen Marke von nachhaltig 25 Prozent.

Dabei gab es von den Märkten nach Angaben von Ackermann nicht nur Rückenwind. Die US-Immobilienkredite hätten auch Auswirkungen auf andere Kreditbereiche gehabt. "Hinzu kam die zunehmende Zurückhaltung von Investoren gegenüber dem hohen Einsatz von Fremdkapital bei Fusionen und Übernahmen", sagte Ackermann. "Vor diesem Hintergrund erzielte die Deutsche Bank ein ausgesprochen gutes Resultat."

Ackermann: Unsicherheit nur von kurzer Dauer

Für die nächste Zeit erwartet Ackermann noch keine Beruhigung der Finanzmärkte, die zuletzt in Deutschland die Mittelstandsbank IKB hart getroffen hatte. "An den weltweiten Finanzmärkten dürften Unsicherheit und Nervosität kurzfristig anhalten", sagte Ackermann. Die Zurückhaltung der Investoren gegenüber hoher Fremdfinanzierung könne noch zunehmen.

Die Deutsche Bank bewahre allerdings Disziplin: "Wir sind in der Vergangenheit mit unserer Risiko-Übernahmebereitschaft immer verantwortungsvoll umgegangen, und das derzeitige Marktumfeld bildet hier keine Ausnahme." Zudem unterstützten zum Beispiel eine weiterhin robuste Weltwirtschaft und solide Unternehmensgewinne das Wachstum auch der Deutschen Bank.

Zur Krise der IKB, die sich mit US-Hypotheken mit niedriger Bonität verspekuliert hatte, wollte sich die Deutsche Bank nicht äußern. Ein Sprecher betonte aber, dass die Deutsche Bank solche Papiere nicht in größerem Umfang in die eigenen Bücher nehme, sondern hier nur als Händler aktiv sei.

Berliner Bank sorgt für Plus

Im zweiten Quartal allein verdiente die Bank 1,8 Milliarden Euro - 31 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Alle Geschäftsbereiche hätten zum Wachstum beigetragen. Besonders stark war das Investmentbanking, aber auch das Privatkundengeschäft wuchs zweistellig. Hier waren vor allem die im letzten Jahr abgeschlossenen Zukäufe Berliner Bank und Norisbank für das Plus verantwortlich.

Die Zuversicht der Deutschen Bank spiegelt sich auch in puncto Kreditausfälle wider. Das Institut sah keine Notwendigkeit, die Risikovorsorge für faule Kredite anzuheben - sie blieb mit 81 Millionen Euro nahezu unverändert. Zum Stichtag Ende Juni lag die Konzernbilanzsumme bei knapp zwei Billionen Euro und damit 366 Milliarden Euro höher als Ende 2006.

Ihre Mitarbeiterzahl baute die Deutsche Bank im abgelaufenen Quartal weiter aus - auch in Deutschland. Insgesamt stieg die Zahl im zweiten Quartal um rund 2000 auf 75.140. Seit das Institut 2005 wegen eines angekündigten Stellenabbaus in die Kritik geraten war, hat die Bank die Zahl ihrer Mitarbeiter um rund 13 Prozent erhöht.

Die ersten Reaktionen am Aktienmarkt waren am Morgen positiv. Ein Börsianer sagte, alle Zahlen seien besser ausgefallen als erwartet. Die Aktie der Deutschen Bank gab am Vormittag allerdings in einem sehr schwachen Umfeld zeitweise um etwa drei Prozent nach, nachdem am Vortag Kursgewinne verbucht worden waren. (mit dpa)

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