Quartalszahlen : Daimler traut sich nicht

Daimler ist mit einem fast verdoppelten Gewinn ins Jahr gestartet. Für eine neue Prognose reicht das Selbstbewusstsein trotz Blitzstarts aber nicht.

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Endkontrolle bei Mercedes: Das Geschäft mit dem Stern läuft gut für Daimler.
Endkontrolle bei Mercedes: Das Geschäft mit dem Stern läuft gut für Daimler.Foto: dpa

Berlin - Daimler ist mit einem fast verdoppelten Gewinn ins Jahr gestartet. Der Autobauer verdiente in den ersten drei Monaten 1,18 Milliarden Euro – 612 Millionen Euro mehr als im Vorjahresquartal. „Wir haben ein hervorragendes Ergebnis erzielt“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Freitag. „Wir liegen deutlich über Plan und bestätigen den positiven Ausblick für das Geschäftsjahr 2011.“

Genau dies wurde an der Börse mit Enttäuschung aufgenommen. Viele Anleger hatten offenbar erwartet, dass ein Gewinn über Plan auch eine Prognose über den bisherigen Plänen nach sich ziehen würde. Doch Daimler bleibt konservativ: Für 2011 erwartet Zetsche ein operatives Ergebnis deutlich über dem Vorjahreswert von 7,3 Milliarden Euro. Auch beim Umsatz (2010: 97,8 Mrd. Euro) und Absatz (2010: 1,9 Millionen Fahrzeuge) rechnet er mit einem Plus. Zu wenig für den Aktienmarkt: die Daimler-Aktie fiel am Freitag um rund zwei Prozent und war mit Abstand schlechtester Dax-Wert.

Dabei hat Zetsche durchaus gute Gründe, um vorsichtig zu sein. Die Erdbeben- und Atomkatastrophe in Japan wird für Daimler teuer. Allein im März liegt die Belastung bei 78 Millionen Euro. Finanzvorstand Bodo Uebber rechnet mit weiteren Aufwendungen von bis zu 100 Millionen Euro. Zu Buche geschlagen habe vor allem der wochenlange Produktionsausfall bei der Lastwagentochter Mitsubishi Fuso. Auch die Wirbelstürme in den USA beeinträchtigen den Konzern. Die Produktion im US-Werk Tuscaloosa, wo vor allem Geländewagen produziert werden, ruht vorübergehend.

Im ersten Quartal profitierten die Schwaben von der ungebrochenen Nachfrage nach Oberklasse-Limousinen mit luxuriöser Ausstattung und nach Geländewagen. Der Umsatz stieg um 17 Prozent auf 24,7 Milliarden Euro, der Absatz um 15 Prozent auf 461 700 Fahrzeuge.

„Der Daimler-Konzern zeigt alte Stärke“, kommentierte Frank Schwope, Autoanalyst bei der NordLB, den Zwischenbericht. Das Unternehmen sei „gegenwärtig gut unterwegs“. Allerdings hält der Analyst die Erwartungen der Börse für überzogen – weil sich Daimler selbst zu viel vornehme. Die ausgegebenen Ziele einer Umsatzrendite von neun Prozent (bei Pkw zehn Prozent) hält Schwope „angesichts branchenüblicher, wiederkehrender Krisen und Unternehmensschwächen dauerhaft für absolut nicht erreichbar“. Realistisch seien fünf Prozent insgesamt und sechs Prozent für Mercedes. mot

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