Wirtschaft : Quartalszahlen machen Hoffnung

Henrik Mortsiefer

Der Juli war für Anleger ein schweißtreibender Monat. Bis auf 5729 Punkte kletterte der Dax gleich zu Monatsanfang – und weckte die Hoffnung, dass deutsche Aktien ihren Schwächeanfall überwunden haben. Doch es kam anders. Die Krise im Nahen Osten ließ den Ölpreis explodieren. Und die Unsicherheit, wie es mit dem Konjunkturmotor USA weitergeht, lähmte die Investoren. Sie gingen deshalb in Deckung, verkauften Aktien und suchten sichere Anlagen. Der Dax fiel am 18. Juli wieder unter die Marke von 5400 Punkten. Erst, als die Berichtssaison mit positiven Unternehmensnachrichten eröffnet wurde, fassten die Anleger wieder Mut. Der Dax stieg. Am Montag erreichte er wieder die 5700-Punkte-Linie. Um mehr als 300 Punkte hat er sich in den vergangenen zwei Wochen erholt. Im Monatsverlauf blieb nach dem Einbruch freilich nur ein winziger Punktgewinn.

Die Erwartungen der Anleger richten sich aktuell auf die kommenden Quartalsberichte. Nach den ersten Veröffentlichungen – etwa von Daimler-Chrysler, Volkswagen oder Linde – „verdichten sich die Zeichen, dass es nach dem ersten Quartal ein neues Rekordquartal geben wird“, schreiben die Analysten der DZ Bank. Sowohl die Umsätze als auch die operativen Gewinne seien, soweit schon bekannt, kräftig gestiegen. Von einer Wachstumsabschwächung bei den Unternehmen könne keine Rede sein. Die DZ Bank erwartet deshalb, „dass sich die begonnene Erholungsentwicklung an den europäischen Aktienmärkten fortsetzen wird“. Damit zählt die Bank zu den erklärten Optimisten. Andere Institute sind weitaus vorsichtiger und verweisen darauf, dass nach drei Jahren Aufschwung an den Aktienmärkten eine zyklische Abwärtsbewegung mit jedem Monat wahrscheinlicher wird. Viel wird auch von der Geldpolitik der US-Notenbank abhängen. Wird sie die Zinsen am 8. August erhöhen – und dann eine Pause machen? Das Wirtschaftswachstum der weltgrößten Volkswirtschaft schwächt sich ab. Das provoziert Spekulationen auf ein baldiges Ende der seit 18 Monaten Schritt für Schritt vorgenommenen Zinserhöhungen. In Europa erwarten Händler, dass die Europäische Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag den Leitzins von derzeit 2,75 auf 3,00 Prozent anheben wird.

Den Juli konnten 18 von 30 Dax-Werten mit einem Kursgewinn abschließen. An der Spitze Industriegase- und Gabelstaplerhersteller Linde und VW, die nach glänzenden Quartalszahlen gekauft wurden. Elf Aktien fielen zurück. Am schwächsten präsentierte sich SAP. Obwohl Ergebnis und Umsatz im zweiten Quartal stiegen und die Auftragsbücher voll sind, enttäuschte der Softwarekonzern beim Verkauf von Lizenzen die Erwartungen der Analysten. Die Experten, so zeigt sich, schauen genau hin. Kleine Abweichungen von den Prognosen werden in unsicheren Börsenzeiten hart bestraft.

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