Quartalszahlen : Telekom fasst wieder Tritt

Weitaus weniger Kunden laufen dem Konzern weg. Auch die Sparziele wurden erreicht. Der Aktie hilft das allerdings nur kurzfristig. Der Ausblick des Konzerns ist den Börsianern zu verhalten.

Corinna Visser
Telekom Obermann
Telekom-Chef Obermann: Es geht voran, wenn auch nur langsam. -Foto: dpa

Berlin - Die Deutsche Telekom kommt mit ihrem Sparprogramm voran und konnte zuletzt auch den Kundenschwund im Festnetz etwas bremsen. Dennoch wird der Arbeitsplatzabbau im Konzern weiter gehen. „Die Personalstrukturen sind weiterhin anpassungsbedürftig“, sagte Konzernchef René Obermann am Donnerstag in Bonn bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal. „Trotz eines äußerst wettbewerbsintensiven Umfeldes haben wir die positiven Trends des zweiten Quartals noch steigern können“, konstatierte er. „Und damit liegen wir voll im Plan bei der Erfüllung unserer Jahresziele 2007.“

Die Börse quittierte die Zahlen, die besser ausgefallen sind als von Analysten erwartet worden war, zunächst mit einem kräftigen Kursaufschlag von knapp 2,8 Prozent auf 14,51 Euro. Doch im Tagesverlauf gab die T-Aktie fast ihren ganzen Gewinn wieder ab. Einigen Analysten war der Ausblick zu verhalten, den die Telekom für das kommende Geschäftsjahr gab. Das Management geht davon aus, dass das Betriebsergebnis abzüglich Abschreibungen und der freie Kapitalfluss im Jahr 2008 „etwa auf dem Niveau des laufenden Jahres liegen werden“.

Die Telekom habe in den vergangenen neun Monaten wichtige Fortschritte erzielt, sagte Obermann. So erreichte der Konzern 1,4 Milliarden Euro seiner für 2007 geplanten Einsparungen von zwei Milliarden Euro. Im Mobilfunkgeschäft kaufte die Telekom in den Niederlanden und den USA zu. Von anderen Geschäften trennte sie sich: So kündigte die Telekom am Donnerstag den Verkauf ihrer Tochter Media & Broadcast an den französischen Sendenetzbetreiber TDF für 850 Millionen Euro an. Durch den Verkauf von Beteiligungen nahm die Telekom bislang 2,1 Milliarden Euro ein.

Im dritten Quartal setzte das Unternehmen 15,7 Milliarden Euro um, ein Plus von 1,4 Prozent. Gewachsen sind die Erlöse dabei ausschließlich im Ausland (plus 14 Prozent), die Umsätze im Inland (minus 9,3 Prozent) gingen dagegen zurück. Das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs um 0,6 Prozent auf 5,13 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente die Telekom nur 259 Millionen Euro – worin sich jedoch ein steuerlicher Einmaleffekt sowie Abschreibungen widerspiegeln.

497 000 Kunden in Deutschland haben zwischen Juli und September ihren traditionellen Festnetzanschluss bei der Telekom gekündigt. Das ist deutlich weniger als die 588 000 und 516 000 in den vorangegangenen Quartalen. Doch stoppen können wird die Telekom den Prozess nicht. Allerdings besitzt sie immer noch mehr als 80 Prozent der Festnetzanschlüsse in Deutschland. Erfolgreich ist die Telekom dagegen bei der Vermarktung von schnellen Internetanschlüssen (DSL). 48 Prozent der Neukunden schließen einen Vertrag mit der Telekom. „Das Geschäft im Inland wird nicht leichter“, sagte Obermann. Er habe „keine andere Wahl, als auch in Zukunft das Unternehmen effizienter zu machen“.

Dazu gehört auch der Personalabbau. Seit Jahresbeginn hat sich die Zahl der Telekom-Mitarbeiter im Inland netto um 8100 auf 151 900 verringert. Noch läuft ein Programm, das zwischen 2006 und 2008 den Abbau von 32 000 Stellen vorsieht. Aber auch dann wird der Personalabbau weitergehen, Zahlen nennt die Telekom nicht. Für die verbliebenen Mitarbeiter will die Gewerkschaft Verdi für bessere Konditionen kämpfen. „Wir gehen mit einer Forderung von sechs Prozent in die Mitgliederdiskussion“, sagte Bundesvorstand Lothar Schröder in Bonn.

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