Quelle : Bestellt und nicht abgeholt

Die Versandtochter Quelle scheint der Verlierer der Insolvenz von Arcandor zu werden. Die Gespräche über eine Karstadt-Kaufhof-Fusion stocken.

David C. Lerch
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Düsseldorf - Um die Gefahr zu verstehen, die am Stammsitz von Quelle in Nürnberg droht, braucht man keine besondere Weitsicht. Ein Blick aus dem Fenster genügt. In unmittelbarer Nähe liegt das alte AEG-Gelände. Auch die ehemalige Fabrik von Grundig ist nicht weit. Der Fernsehhersteller ging 2003 in die Insolvenz und wurde zerschlagen, der Elektrokonzern AEG strauchelte bereits Anfang der 1980er Jahre. „Es muss alles getan werden, um eine ähnliche Entwicklung bei Quelle zu verhindern“, sagte der Bürgermeister von Fürth, Thomas Jung (SPD). Er fordert Hilfe von der Politik und besonderes Engagement vom Insolvenzverwalter, um Quelle als Ganzes zu erhalten.

Diese Befürchtung ist nicht unbegründet. In der Tat erscheint die Zukunft der Versandhandelssparte Primondo mit der Kernmarke Quelle als die große Unbekannte in der Insolvenzmasse von Arcandor. Der Handelskonzern Metro hat großes Interesse an der Warenhaustochter Karstadt. Arcandors Mehrheitsbeteiligung an Thomas Cook gilt als sehr attraktiv. Was aber passiert mit Quelle?

Das Traditionsunternehmen, 1927 von Gustav Schickedanz gegründet und jahrzehntelang ein Symbol des Aufschwungs, befindet sich in einem radikalen Umbruch – vom klassischen Kataloggeschäft zum Onlinehandel. Dieser Weg soll nun in der Insolvenz weiterverfolgt und besonders die Expansion nach Osteuropa vorangetrieben werden, wie ein Sprecher des Unternehmens versichert. Ihm zufolge arbeitet Quelle im Internet inzwischen sehr profitabel, zuletzt mit zweistelligen Wachstumsraten. Doch unter dem Strich schreibt Quelle rote Zahlen. Besonders schlecht laufen die Quelle-Shops in Deutschland. „Versandhandel ist eben nicht an Standorte gebunden“, sagt Herbert Kuhn von der Unternehmensberatung Trade Dimensions.

Bisher ist für Quelle kein Interessent in Sicht. Das gilt auch für den konkurrierenden Otto-Konzern. „An Primondo oder Quelle als Ganzes sind wir nicht interessiert“, bestätigte ein Sprecher. Lediglich einzelne Spezialversender von Primondo wie Baby-Walz oder Hess-Natur könnte man sich vorstellen. Auch bei den Warenhäusern möchte sich Otto bedienen. Die 32 Karstadt Sport-Filialen würden strategisch gut passen, so ein Sprecher.

Als nach wie vor attraktiv gilt der Name Quelle. „Die Marke ist sehr etabliert und positiv erlebt. Damit wird nichts Negatives verbunden“, sagt der Markenexperte Manfred Gotta. Er sieht gute Chancen, dass die Marke auch die Insolvenz eigenständig überlebt.

Ins Stocken kamen am Mittwoch die Verhandlungen um die Deutsche Warenhaus AG aus Teilen der 90 Karstadt-Filialen und Häusern des Konkurrenten Kaufhof. Die Konzernspitzen von Arcandor und Metro hatten sich in den vergangenen Tagen unter dem Druck der Politik bereits mehrfach getroffen. Am Mittwoch erteilte Arcandor weiteren Gesprächen eine vorläufige Absage. Das Thema sei nach der Insolvenz neu zu bewerten, sagte ein Arcandor-Sprecher. In Branchenkreisen rechnet man weiterhin fest mit einer Fusion, auch weil es ausländische Interessenten an einem vereinigten deutschen Konzern gebe. Medienberichte über ein Interesse des italienischen Unternehmers Maurizio Borletti dementierte Metro am Mittwoch. Als weiterer Kandidat gilt der Konzern El Corte Inglés. Die Spanier erklärten am Mittwoch, keine Karstadt-Filialen übernehmen zu wollen. Den Erwerb deutscher Kaufhäuser schlossen sie nicht aus.

Als erstes Verkaufsobjekt von Arcandor gilt die Touristiksparte Thomas Cook. „Das Unternehmen hat als Reiseveranstalter eine sehr attraktive Marke und gilt als gut saniert“, sagte Per-Ola Hellgren, Reiseexperte bei der LBBW. Arcandor hält 53 Prozent an dem britischen Unternehmen, hat den Anteil aber an die Gläubigerbanken verpfändet, die ihn so bald wie möglich verwerten wollen.

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