Quelle-Callcenter in Berlin : Hier geht es nicht weiter

Das Versandhaus Quelle schließt auch sein Callcenter in Berlin mit mehr als 600 Beschäftigten. Eine Auffanglösung steht noch aus.

David C. Lerch
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Nichts geht mehr. Nach den Quelle-Filialen – hier eine in der Münchner Innenstadt – werden bald auch die Callcenter geschlossen....dpa

Um 10 Uhr morgens beendet Geschäftsführer Christian Holtmann die Ungewissheit. Vor den versammelten Mitarbeitern überbringt er die schlechte Nachricht, mit der wohl die meisten schon gerechnet hatten: Das Callcenter von Quelle in der Köpenicker Straße in Berlin-Kreuzberg wird definitiv geschlossen. Die Insolvenzverwaltung bestätigt am Dienstagmittag: Nur bis Ende Januar 2010 soll der Betrieb weiterlaufen.

Damit trifft auch die Berliner Mitarbeiter die endgültige Abwicklung des fränkischen Versandhauses. Die Insolvenzverwaltung sprach von 620 betroffenen Beschäftigten, der Betriebsrat von 700. Der Unterschied liegt wohl an der hohen Fluktuation, vor allem seit das Callcenter im Juni dieses Jahres mit seinem Mutterkonzern in die Insolvenz rutschte. „Bei uns flüchten die Mitarbeiter seit Monaten“, sagte die Vorsitzende des Betriebsrats, Bärbel Skribelka, dem Tagesspiegel.

Vor der Entlassung steht nun aber noch der Ausverkauf. Derzeit bietet Quelle seine Restbestände mit großem Rabatt vor allem über das Internet an. Für den Verkauf benötigt der Versender noch drei seiner fünf Callcenter. Neben Berlin sind das die Standorte in Magdeburg und Görlitz. Zumindest das Callcenter in Magdeburg mit 520 Arbeitsplätzen wird ebenfalls mit dem Verkauf des letzten Quelle- Artikels geschlossen. Über die Zukunft der 230 Beschäftigten in Görlitz ist noch nicht entschieden. Eine bessere Nachricht erreichte am Dienstag die Beschäftigten in den Callcentern in Cottbus (520) und Emden (75). Die dortigen Standorte übernimmt der schwäbische Callcenter-Betreiber Walter Services zum Jahreswechsel. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt.

Offenbar gab es auch internationale Investoren, die daran interessiert waren, die gesamten Callcenter von Quelle zu übernehmen und damit in den deutschen Markt einzusteigen. Die Angebote wurden aber zurück gezogen. Einen ernsthaften Interessenten für eine Übernahme des Berliner Hauses gab es nach Aussagen der Insolvenzverwaltung nicht.

Jürgen Stahl von Verdi bedauerte am Dienstag das Aus des Kreuzberger Callcenters. „Das ist ein schlimmer Tag für die Beschäftigten, ohne dass sie etwas dafür können.“ Besonders ärgerte sich Stahl, dass es offenbar nicht gelingt, eine Auffanggesellschaft für die Beschäftigten zu gründen. Der Senat hatte zuletzt mehrfach seine Bereitschaft dazu bekundet, aber offenbar fehlt der notwendige Anteil aus der Insolvenzmasse. „Uns wurde mitgeteilt, dass dafür kein Geld vorhanden sei“, sagte Stahl.

Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) erklärte, der Berliner Senat werden die Beschäftigten „zügig unterstützen“. Wolf äußerte sich zuversichtlich über die Beschäftigungschancen. Die Wirtschaftsverwaltung stehe gemeinsam mit der Förderungsgesellschaft Berlin Partner mit den Callcenter-Betreibern im Kontakt, „um dafür zu sorgen, dass die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schnellstmöglich übernommen werden können“. Wolf kritisierte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görk, der keine Ansprechpartner genannt habe, um gemeinsam über die Zukunft der Quelle-Beschäftigten in Berlin zu beraten. Wolf: „Es stellt sich die Frage, ob der Insolvenzverwalter seiner Aufgabe gewachsen ist.“

Auch bisher waren die Mitarbeiter auf öffentliche Hilfe angewiesen. „Die Bezahlung war besonders schlecht“, berichtete Verdi-Mann Stahl. Der größte Teil der Belegschaft habe für einen Stundenlohn von 6,04 Euro gearbeitet. Da die meisten Mitarbeiter damit nicht auf das Niveau der Arbeitslosenhilfe kommen, müssen sie Stahl zufolge den Differenzbetrag bei der Bundesagentur für Arbeit beantragen. Um Geld zu sparen, hatte Quelle 2006 zahlreiche Callcenter geschlossen, um die Filialen in Berlin, Magdeburg und Cottbus zu eröffnen. Ursprünglich hatte der Konzern Berlin 1000 Arbeitsplätze in Berlin versprochen. Der Großteil kam über die Arbeitsagentur. So konnte der Konzern über Bildungsgutscheine Subventionen in Millionenhöhe beziehen.

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