QUELLE-KONZERN : Schweres Erbe

Quelle ist älter als das Wirtschaftswunder. Am 7. November 1927 lässt der 32-jährige Gustav Schickedanz ein Versandhaus ins Handelregister seiner Heimatstadt Fürth eintragen. Er ist überzeugt: Die Leute wollen nicht in Geschäften, sondern „an der Quelle“ einkaufen. In seinem ersten Katalog wirbt das Unternehmen mit der „Fundgrube für jede Familie“. Zehn Jahre nach Gründung hat Quelle rund eine Million Kunden.

Nach dem Krieg muss sich NSDAP-Mitglied Schickedanz vor den Alliierten verantworten, erst 1949 kehrt er ins Unternehmen zurück. Bis dahin müssen es die Frauen richten. Grete Schickedanz, ein ehemaliges Quelle-Lehrmädchen, führt ein erstes Mal für ihren Mann die Geschäfte. Nach dessen Rückkehr erlebt Quelle eine rasante Erfolgsgeschichte – der Katalog mit der bunten Warenwelt avanciert zu einem Symbol des Wirtschaftswunders. Als der Firmengründer 1977 stirbt, macht Quelle mit acht Millionen Kunden 4,5 Milliarden Mark Umsatz. Bis zu ihrem Tod 1994 führt Grete Schickedanz selbstständig das Erbe ihres Mannes fort. Danach setzt ihre Tochter Madeleine auf familienfremde Manager. Sie hält sich aus dem Geschäft heraus, aber beteiligt sich schon bald an dem Essener Karstadt-Konzern. 1999 fusioniert Quelle mit Karstadt. Zehn Jahre wird die Verbindung halten. Als mehrere Chefs den neuen Konzern glücklos gesteuert haben, übernimmt 2004 ein Vertrauter von Schickedanz: Thomas Middelhoff. Doch der Hoffnungsträger enttäuscht: Nur drei Monate nach dessen Abgang folgt 2009 die Insolvenz. dcl

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