Querelen an der Spitze : DIW-Geschäftsführer gibt nach wenigen Monaten auf

Der Arbeits- und Kommunikationsstil von DIW-Chef Zimmermann ist immer wieder Gegenstand von Klagen und Spekulationen. Übergangsgeschäftsführer Seidler will nicht auf seinen Nachfolger warten - und geht.

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Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt nicht zur Ruhe. „Auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen“, so lautet die offizielle Formulierung des Instituts, gibt Geschäftsführer Hanns Seidler den Posten auf. Auf den Fluren des größten deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts hört sich das anders an. Seidler sei „offenbar so fassungslos“ über die Zustände im Haus an der Mohrenstraße in Berlin- Mitte, dass er vorzeitig hinwerfe. „Das muss ich mir hier nicht antun“, wird Seidler in DIW-Kreisen zitiert. Seidler selbst wollte sich am Dienstag nicht äußern.

Im Kern geht es bei den Umständen der Demission wohl um die Zusammenarbeit mit DIW-Präsident Klaus Zimmermann. Dessen Arbeits- und Kommunikationsstil ist immer wieder Gegenstand von Klagen und Spekulationen; Zimmermann wird in Mitarbeiterkreisen als extrem misstrauisch, autokratisch und eigennützig geschildert. Im Zusammenhang mit der Affäre um die irreguläre Verwendung öffentlicher Mittel, wie sie der Institutsspitze vom Berliner Rechnungshof vorgeworfen wird, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Zimmermann wegen des Verdachts auf Untreue. Da sich bei der Staatsanwaltschaft zwischenzeitlich die Zuständigkeiten geändert haben, wird mit einer Entscheidung über eine Anklageerhebung nicht vor dem nächsten Sommer gerechnet. Im Falle einer Anklage wäre Zimmermann, so die Einschätzung im Kuratorium des Instituts, nicht mehr tragbar.

Nach dem Ausscheiden des damaligen DIW-Geschäftsführers Alexander Fisher Ende August 2010 hatte der Kuratoriumsvorsitzende Bert Rürup den ihm gut bekannten Hanns Seidler gebeten, für eine Übergangszeit die Geschäfte des Instituts zu führen. Rürup und Seidler kennen sich von der Uni Darmstadt. Rürup bemüht sich seit langem um eine langfristige Lösung und will dem Kuratorium auf dessen nächsten Sitzung im März einen neuen Geschäftsführer vorschlagen. So lange wollte Seidler nun nicht mehr aushalten.

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