Wirtschaft : Rabatte alleine helfen nicht

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Von Flora Wisdorff

Die Krise des deutschen Einzelhandels ist noch lange nicht vorbei – auch wenn sich seit vergangenem Freitag die Anzeichen mehren, dass in der Branche zumindest das Schlimmste überstanden ist. Überraschend gute Zahlen einiger Handelskonzerne aber können nicht verdecken, dass der Einzelhandel in 2002 eines der miserabelsten Jahre wegstecken muss: Fast jedes dritte Unternehmen musste im ersten Halbjahr einen Umsatzverlust von mehr als zehn Prozent hinnehmen.

Das hat viel mit der Konjunktur zu tun. Denn so lange die deutschen Unternehmen die Verbraucher mit täglich neuen Meldungen über bevorstehenden Stellenabbau konfrontieren, ist es verständlich, dass die Kunden lieber sparen. Doch die wirtschaftliche Lage ist nicht der einzige Grund, warum die Deutschen nicht mehr so gerne einkaufen. Die Kunden sind nicht nur von der Konjunktur, sondern auch von den Händlern verunsichert worden. Ob sie sich von Megarabatten im Weihnachtsgeschäft versöhnen lassen, steht noch lange nicht fest.

Denn viele Einzelhandelskonzerne haben in der Rezession den Fehler gemacht, am falschen Ende zu sparen: am Service. Es ist kein Wunder, dass die Verbraucher lieber zu billigen Discountern gehen, wenn sie auch in den gehobenen Märkten nichtgut behandelt werden. Um das zu ändern, darf der Handel nicht nur die Kunden umwerben, denen das Wichtigste der Preis ist. Er muss sich auch wieder um die kümmern, die bereit sind, ein paar Cent mehr zu zahlen, wenn sie dafür eine größere Auswahl oder eine kürzere Schlange an der Kasse geboten bekommen.

Da geht die Initiative von Kaufhof, sich per Verfassungsbeschwerde gegen das geltende Ladenschlussgesetz zu wehren, in die richtige Richtung. Längere Ladenöffnungszeiten wären das Signal, dass der Handel bereit ist, sich um die Wünsche der Kunden zu kümmern. Läden, in denen man samstags um sechs Uhr oder mittwochabends um neun Uhr einkaufen kann, bieten vielen Konsumenten einen Vorteil, der auch die Konsumlaune hebt: ein bisschen mehr Service.

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