Rabatte bei Flügen : Bundestag sieht kein Problem bei Bonuskarten

21.10.2011 13:20 UhrVon Kevin P. Hoffmann

Air Berlin und Lufthansa befördern Politiker besonders komfortabel. Die Bundestagsverwaltung sieht darin kein Problem. Einzelnen Abgeordneten ist das aber nicht geheuer.

Berlin - Kein Warten in der Schlange, Ruhe in der Flughafenlounge, Beinfreiheit an Bord und mehr Freigepäck: Deutschlands größte Fluggesellschaften gewähren Bundestagsabgeordneten eine Vorzugsbehandlung, die sonst nur sehr treue Kunden erwarten dürfen. Kritiker fragen, was sich die Airlines im Gegenzug von den Berliner Entscheidern versprechen. Ein jetzt öffentlich gewordener Brief des ehemaligen Air-Berlin-Chefs Joachim Hunold gibt erste Antworten.

Die „Frankfurter Rundschau“ berichtete am Dienstag von einem Schreiben, das Hunold im Januar 2010 offenbar an alle Abgeordneten des Bundestages verschickte. Es enthielt zwei Plastikkarten: Eine „Topbonus Classic Card“, die jeder Fluggast kostenlos zum Meilensammeln beantragen kann sowie eine „Topbonus Gold Card“, für die Gäste normalerweise 40 000 Statusmeilen gesammelt haben müssen.

„Die Mitarbeiter von Air Berlin und natürlich auch ich persönlich würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere beiliegende Topbonus Card Gold zur Unterstützung Ihrer Tätigkeit nutzen könnten“, schrieb Hunold und machte auch keinen Hehl aus seinen Absichten: „Für uns ist die Unterstützung durch die Politik in Deutschland von größter Bedeutung.“

Air Berlin steht derzeit in der Kritik, da vor gut einer Woche bekannt wurde, dass die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft noch bis Jahresende mehr als 100 Prominente und ihre Familien kostenlos als „Markenbotschafter“ befördert. Das empört vor allem Aktionärsschützer, die fragen, warum diese angeschlagene Gesellschaft Tickets einfach verschenkt? Dass nun bekannt wird, dass Air Berlin auch Mandatsträgern besondere Annehmlichkeiten bietet, die mit dem Besitz der Gold Card verbunden sind, riecht nach einer besonderen Form des Lobbyismus. Die Antikorruptionsorganisation Transparency International kritisierte die Praxis und forderte von Bundestagspräsident Norbert Lammert am Dienstag Aufklärung.

Seine Bundestagsverwaltung wies in einer ersten Reaktion alle Verantwortung von sich. Zuständig sei das Bundesverwaltungsamt in Köln, das mit Fluggesellschaften derartige Verträge aushandele, als sei der Bundestag ein Unternehmen oder eine Institution wie jede andere auch. Der Bundestag bestätigte, dass Air Berlin erstmals im Sommer 2008 seine Karten verschickt habe – und zwar „unaufgefordert“. Air Berlin bestreitet das. Die Zusendung der Karten sei „in Abstimmung mit der Bundestagsverwaltung“ erfolgt, teilte das Unternehmen schriftlich mit.

Dieser Widerspruch ist nicht unwichtig. Schließlich macht es einen Unterschied, ob Bürokraten des Bundesverwaltungsamtes mit Fluggesellschaften Sonderkonditionen aushandeln und die Abgeordneten selbst über die Reisekonditionen informieren, oder ob eine Airline selbst in direkten Kontakt mit Abgeordneten tritt. Wenn Air Berlin behauptet, die Karten seien „in Abstimmung mit der Bundestagsverwaltung“ verschickt worden, steht zumindest der Verdacht im Raum, dass die Volksvertreter hier selbst um Vorzugsbehandlung gebeten haben und Air Berlin sich von dem Geschenk besseren Zugang zu den Volksvertretern versprochen haben könnte.

Letzteren Eindruck stützt auch die Lufthansa, die neuen Abgeordneten in einem „Welcome-Kit“ schon seit vielen Jahren die „Senator-Card“ schenkt, die Normalbürger erst nach dem Sammeln von 130 000 Meilen erhalten. „Wir wollen damit den Abgeordneten das Reisen erleichtern“, erklärte ein Lufthansa-Sprecher dem Tagesspiegel.

Alle Seiten – Fluggesellschaften wie Bundestag – betonen zugleich, dass es hier ausschließlich um Dienstreisen geht. Dort gesammelte Meilen könnten auch nicht privat abgeflogen werden.

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