Wirtschaft : Rabattfeuerwerk vor Silvester

Nach einem flauen Weihnachtsgeschäft locken viele Händler mit weiteren Preisreduzierungen

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Berlin (msh). Im deutschen Einzelhandel sind die Preise nach den Feiertagen weiter auf Talfahrt. Nach dem eher flauen Weihnachtsgeschäft lockten viele Geschäfte am Freitag mit neuen Sonderangeboten und Rabatten. Die Textilkette C & A verkauft Pullover und Hosen für weniger als zehn Euro und die Warenhäuser Karstadt und Galeria Kaufhof locken bei Textilien mit Preissenkungen von mehr als 50 Prozent. Mit den neuen Rabattaktionen reagiert die Branche auf die anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Nach einem sehr schlechten Jahr konnte auch das Weihnachtsgeschäft die Erwartungen nicht erfüllen. Nach Angaben des Handelsverbandes HDE blieben die Umsätze bei der Mehrzahl der Händler unter dem Niveau des Vorjahres. Wegen der steigenden Steuer und Abgabenbelastung der Verbraucher erwartet der Handel auch ein schwieriges Jahr 2003. Nach Schätzungen des HDE wird der Umsatz um 0,5 Prozent sinken.

„Das ist eine Art vorgezogener Winterschlussverkauf“, sagt der Handelsexperte Volker Dölle. Wegen des in weiten Teilen Deutschlands milden Winters müssten die Händler jetzt ihre liegen gebliebene Winterbekleidung verkaufen. Die Lager würden „um fast jeden Preis geräumt“, sagte Johann Hellwege, Geschäftsführer des Handelsverbandes BAG. Hinzu komme die Konsumzurückhaltung der Verbraucher. Mit den Rabatten sollen die Kunden wieder in die Geschäfte gelockt werden.

Vorreiter in Sachen Preissenkungen ist mal wieder C & A. Das Bekleidungshaus verkauft Pullover für fünf Euro und Hosen für neun Euro und wirbt für die Aktion in halbseitigen Zeitungsanzeigen. Die Warenhäuser Karstadt und Galeria Kaufhof halten dagegen. Unter dem Slogan „Jetzt mehr pro Cent“ verkauft Karstadt zum Beispiel Cashmere- Pullover mit einem Abschlag von 30 Prozent. Handtaschen sind für 39 Euro statt 70 Euro zu haben – eine Reduzierung von mehr als 40 Prozent. „Im neuen Jahr werden dann Haushaltswaren billiger“, sagt Karstadt-Sprecher Elmar Kratz. In den Filialen von Galeria Kaufhof sind ausgewählte Bekleidungsstücke mit einem grünen „Galeria-Punkt“ versehen; für sie gibt es 20 Prozent Rabatt, auch wenn die Ware bereits herabgesetzt ist.

Schon vor einem Jahr hatte C &A mit einer spektakulären Rabattaktion für Furore gesorgt. Die Textilkette gab anlässlich der Euro-Einführung 20 Prozent Rabatt auf alle Artikel. Damit hat C & A aber gegen das immer noch geltende Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verstoßen und war von einem Gericht zu einer Geldbuße verurteilt worden. In diesem Winter achten C & A und die anderen Händler darauf, dass sie nicht – wie im UWG untersagt – das gesamte Sortiment reduzieren, sondern nur einzelne Warengruppen oder Artikel. Das ist erlaubt und wird von den Händlern seit der Abschaffung von Rabattgesetz und Zugabeverordnung auch rege genutzt.

Allerdings wird die Rabattwelle viele Händler in Schwierigkeiten bringen, weil sie die Gewinne der Unternehmen deutlich schmälern. „Besonders die kleinen Händler werden es schwer haben, gegen die großen Ketten zu bestehen“, sagt Branchenexperte Dölle. C & A kann es sich sogar leisten, bei der aktuellen Rabattaktion seine Waren unter Einstandspreis zu verkaufen. C& A hat es im laufenden Jahr mit einer konsequenten Niedrigpreissttrategie geschafft, trotz der Konsumflaute den Umsatz zu steigern. „C & A oder auch Karstadt können die Preise selbst bestimmen, weil sie hautpsächlich mit eigenen Handelsmarken arbeiten“, sagt Dölle. Die Waren werden in Südeuropa oder Asien nach den Vorgaben aus der Zentrale zu sehr niedrigen Kosten hergestellt und dann nach Deutschland geliefert. Weiterer Vorteil der Handelsmarken: Für die „No Names“ fallen keine teuren Ausgaben für Marketing und Werbung an.

„Die Kostenvorteile der Handelsmarken können die Händler voll an ihre Kunden weitergeben und für Rabatte nutzen“, sagt Dölle. Bei Handelsspannen (siehe Kasten) von 50 bis 200 Prozent sei das kein Problem. Die Textilhändler und Warenhäuser werden deshalb ihre Handelsmarken weiter ausbauen. Bei C & A beträgt der No-Name-Anteil bereits 80 Prozent.

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