Wirtschaft : Rabattgesetz: Mit Bonusprogrammen auf Kundenfang

Karin Birk

Die Botschaft von Media-Markt ist klar. "Bei uns wird nicht gehandelt", heißt es in den Prospekten der Elektronik-Handelskette. Die Begründung wird gleich mitgeliefert: "Denn Rabatte, lass Dir sagen, werden vorher aufgeschlagen." Sprecherin Janina Knab sagt es noch deutlicher: "Wir bieten von vorneherein die tiefsten Preise an und dabei bleibt es auch." Der Wegfall des Rabattgesetzes in den nächsten Wochen werde daran nichts ändern. "Jeder Kunde wird unabhängig von seinem Verhandlungsgeschick oder seinen rhetorischen Fähigkeiten denselben Preis bezahlen", sagt sie. Zugaben nach dem Motto: "Videorekorder plus leere Kassette", werde es bei Media-Markt nicht geben.

Nur wenige Firmen lassen sich durch die Aufhebung des Rabattgesetzes und der Zugabeverordnung so wenig aus der Ruhe bringen wie Media-Markt. Viele hat eine hektische Betriebsamkeit ergriffen. Schon jetzt bereiten sie ihre Verkäufer auf den Umgang mit feilschenden Pfennigfuchsern vor, entwerfen aggressive Werbeslogans und entwickeln neue Bonusprogramme. "Wir werden eine andere Verkaufskultur erleben", erklärt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Stefan Schneider. Zugleich befürchtet der Einzelhandel, dass sich die Konzentrationsspirale in der Branche in Zukunft weiter drehen wird. Der Preiswettbewerb werde an Schärfe weiter zunehmen.

So bastelt beispielsweise Deutschlands größter Warenhauskonzern, die Karstadt-Quelle AG schon seit Wochen an einem neuenen Bonussystem. "Wir wollen damit unsere Kunden noch stärker an uns binden", sagt Konzern-Sprecher Michael Scheibe. Wer bisher bei Karstadt eine Kundenkarte besaß, bekam für jede Mark Umsatz am Jahresende einen Wert von drei Pfennigen gutgeschrieben. "Jetzt können wir ganz andere Rabatte und Zugaben machen", sagt er. "In der Spitze kann da sogar ein Flug nach Mallorca drin sein." Voraussetzung sei natürlich, dass die Kunden kräftig in den Karstadt-Filialen eingekauft und eine hohe Anzahl von Punkten angesammelt hätten.

Kräftig ausgebaut wird auch das Miles & More-Programm der Lufthansa: Das Bonusprogramm werde jetzt auf weitere Branchen ausgedehnt, sagt Sprecherin Sigrid Bäumer. "Wer künftig beispielsweise einen UBS-Fonds kauft, bei Motorola ein Handy bestellt, bei Audi Probe fährt oder bestimmte Weine bestellt, kann noch zusätzliche Punkte sammeln."

Auch bei der Parfümerie-Kette Douglas gibt es künftig Punkte, so genannte Beauties. Wie viele Beauties Kunden sammeln müssen, um dann einen kostenlosen Lippenstift oder eine Profi-Make-up zu ergattern, will Sprecher Michael Rotermund noch nicht preisgeben. Doch eines sagt er sofort. "Gefeilscht wird bei Douglas nicht." Alle Verkäufer und Verkäuferinen hätten die Anweisung bekommen, keine Rabatte zu geben. Bei Möbel-Hübner in Berlin ist es nicht anders: "Unsere Preise sind so knapp kalkuliert, dass wir nicht noch Nachlässe geben können", sagt Verkaufsleiter Rolf Homölle. Daran werde sich auch künftig nichts ändern.

Das gilt auch für viele andere Einzelhändler: "Die große Rabattgabe" werde sicher nicht ausbrechen, dafür seien die Gewinnmargen zu klein, sagt Stefan Schneider vom HDE. "Die Luft dafür ist nicht da." Abgesehen davon sei auch kein Händler verpflichtet, einen Rabatt zu gewähren. Verboten sind Rabatte nach wie vor bei Produkten mit Festpreisen, wie Bücher, apothekenpflichtige Arzneimittel oder Zigaretten.

Auch Manfred Dimper vom Bundesverband der Verbraucherzentralen rechnet nicht damit, dass die Unternehmen jetzt mehr Rabatt geben werden als bisher. "Sie müssen nur nicht mehr so viele Verrenkungen machen wie früher", sagt er. Schon jetzt hätte es vor allem im Autohandel, bei hochwertigen Textilien oder bei Unterhaltungselektronik versteckte Rabatte von mehr als drei Prozent gebeben.

Generell warnt die Zentrale der Verbraucherverbände davor, sich von Rabattversprechungen zu sehr beeindrucken zu lassen. "Wenn ein Händler Rabatt gibt, heißt das noch gar nichts", sagt Dimper. "Der Verbraucher muss die tatsächlichen Preise miteinander vergleichen." Auch einem Bonus-System sollten die Kunden nicht blind vertrauen. "Die Boni müssen genauso verdient werden", warnt der Verbraucherschützer. Darum rät er dazu, weiterhin Preis und Leistung gut zu vergleichen, und sich zu überlegen, ob sich die Zugaben tatsächlich auszahlen.

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