Wirtschaft : Radfahrer können mehr absetzen als ihre autofahrenden Kollegen

Wolfgang Büser

Arbeitnehmer, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, können das Finanzamt daran stärker beteiligen als ihre Kollegen, die ihr Auto oder Motorrad benutzen. Und das, obwohl die Kilometerpauschalen für den Pkw und das Motorrad oder den Motorroller mit 70 beziehungsweise 33 Pfennig erheblich höher sind als die für Fahrradfahrer, die nur 14 Pfennig geltend machen können - jeweils für den Entfernungskilometer.

Der Grund: Für die motorisierten Arbeitnehmer sind mit der Kilometerpauschale alle Aufwendungen abgegolten. Die Pedalritter dagegen können statt der 14-Pfennig-Pauschale die tatsächlich angefallenen Aufwendungen geltend machen.

Beispiel 1: Ein Arbeitnehmer kauft im April ein Fahrrad zum Preis von 3000 Mark. Er fährt damit vom Frühjahr bis zum Herbst an 120 Tagen je fünf Kilometer zur Arbeitsstelle (hin und zurück also zehn Kilometer). Das macht insgesamt 1200 Kilometer im Jahr. Privat radelt er ebenfalls 1200 Kilometer. Unter dem Strich kommt er also auf 2400 Kilometer. Nehmen wir an, der Arbeitnehmer hat in dem Jahr Inspektionskosten von 200 Mark, zahlt für eine Diebstahlversicherung 100 Mark und für Reparaturen 300 Mark, also insgesamt 600 Mark. Hinzu kommen die Kosten für die Abschreibung von 600 Mark (3000 Mark verteilt auf fünf Jahre). Gesamtkosten im Jahr: 1200 Mark. Davon müssen 50 Prozent für die Privatfahrten (600 Mark) abgezogen werden. Die Kosten pro gefahrenem Kilometer zur Arbeitsstelle (600 : 1200) betragen 50 Pfennig. Pro "Entfernungskilometer" ergibt dies eine Mark, also 30 Pfennig mehr, als das Finanzamt für die Fahrten mit einem Auto anerkennt.

Beispiel 2: Ein Arbeitnehmer kauft Anfang Oktober ein Fahrrad zum Preis von 900 Mark. Er benutzt das Rad in den restlichen drei Monaten des Jahres ausschließlich für die Wege zur Arbeit und fährt insgesamt 600 Kilometer. Auf den einzelnen Kilometer entfallen damit, da das Rad ohne Umsatzsteuer nicht mehr als 800 Mark gekostet hat und demnach im Jahr des Kaufs voll "abgeschrieben" werden kann, (900 : 600) 1,50 Mark. Der Fahrradpendler kann für die Monate Oktober bis Dezember 900 Mark als Werbungskosten vom steuerpflichtigen Einkommen abziehen - neben der Kilometerpauschale für seinen Pkw, den er von Januar bis September benutzt hat. Im folgenden Jahr fährt er entweder mit dem Auto oder mit dem Fahrrad zur Arbeit: Für sein Zweirad wählt er die 14-Pfennig-Pauschale, falls sein tatsächlicher Aufwand nicht höher ist.

Radelnde Steuerzahler sollten über einen Kilometerzähler verfügen, um dem Finanzamt den auf die Arbeitswege entfallenden Anteil plausibel erklären zu können. Einfacher kann dies durch Nachweis eines "Zweitfahrrades" geschehen, das ausschließlich für den Arbeitsweg genutzt wird. Für Mopeds gilt übrigens dasselbe - mit dem Unterschied, dass die Besitzer pauschal 28 Pfennige für jeden Entfernungskilometer ansetzen können.

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