Wirtschaft : Radikale Konsequenzen bei Herlitz angekündigt

Dem Rückschlag in Rußland folgt die Sanierung

BERLIN (-olm).Der Schock über die jüngsten Turbulenzen im Herlitz-Konzern sitzt tief.Insbesondere der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 1997 brachte die Aktionäre auf der Hauptversammlung am Mittwoch im Berliner ICC in Rage.Fallende Papierpreise und ein zusammengebrochener Heimatmarkt in Rußland hatten die Herlitz-Tochter HIT gezwungen, ihre Beteiligung an der AO Volga in Höhe von rund 35 Prozent gänzlich abzuschreiben.Ein Käufer für die russische Firma war nicht in Sicht. Nach einer ersten Wertberichtigung von 18 Mill.DM müssen für die Gesamtabwicklung nun insgesamt 86,6 Mill.DM abgeschrieben werden.Karel de Vries, der erst am Dienstag vom Aufsichtsrat zum neuen Vorstandsvorsitzenden bestellt worden war, versprach den Aktionären radikale Konsequenzen.1997 solle zum Jahr der Strategieänderung, der Strukturänderung und der Sanierung werden.Handlungsbasis des Vorstands soll eine "von allen großen Risiken bereinigte Ausgangslage" sein.De Vries wollte nicht ausschließen, daß durch erneute Ergebniseinbußen und Rückgriffe auf die Kapitalpolster für 1997 auf eine Dividende verzichtet werden müsse.Bei wenigen Gegenstimmen wurde am Mittwoch für 1996 der Vorschlag angenommen, den Bilanzgewinn von 10,4 Mill.DM zur Ausschüttung einer Dividende von 1,92 DM je Stammaktie und 3,84 DM je Vorzugsaktie zu verwenden.Für die Anleger ist die geringe Ausschüttung und die gesunkenen Erwartungen an das laufende Geschäftsjahr schon deshalb besonders ärgerlich, weil der Kurs ihrer Herlitz-Aktie tief gefallen ist.Dennoch wurden Vorstand und Aufsichtsrat von der überwiegenden Mehrheit der Stimmen entlastet. Nach dem im vergangenen Jahr eingeschlagenen Kurs der Diversifizierung in Form einer Holding und der Umwandlung der vier Konzerntöchter in Aktiengesellschaften und einer erst vor wenigen Wochen erklärten Kursumkehr in Richtung Konzentration auf das Kerngeschäft Papier-, Büro- und Schreibwaren gilt Vorstandschef Karel de Vries nun als neuer Hoffnungsträger.Die erste Aufgabe für den Niederländer wird sein, strategische Partner oder Käufer für die Tochtergesellschaften Falkenhöh, HIT und McPaper zu finden.Von der Einzelhandelskette McPaper will sich die künftig als Finanzholding operierende Herlitz AG ganz trennen. Das schließt weitere Zukäufe im Kernbereich nicht aus.Langfristiges Ziel von de Vries ist die Verbesserung der Umsatzrendite auf 6 Prozent und der Eigenkapitalrendite auf 16 Prozent.Mit der geplanten Bündelung der Kräfte verbindet de Vries die Perspektive, Marktführer in Europa zu werden, die Kostenführerschaft zu erreichen und sich auch auf dem Dienstleistungssektor an die Spitze zu arbeiten.

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