Wirtschaft : RAG-Chef Müller will an die Börse

Trotz Bedenken der Politik soll der Bergbau- und Chemiekonzern aufgespalten werden

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Essen - RAG-Chef Werner Müller treibt den Börsengang des Bergbau- und Chemiekonzerns voran. Bedenken der Politik wies Müller am Donnerstag zurück: „Die öffentliche Hand wird nicht über den Tisch gezogen", sagte der ehemalige Bundeswirtschaftsminister. Zum Jahresende werde der Konzern alle nötigen Vorbereitungen abgeschlossen haben. In seinem Kurs bestärkt sah er sich auch durch die guten Unternehmenszahlen, die Müller gestern vorlegte.

In der Regierung wächst dagegen die Skepsis gegenüber den Plänen des RAG-Chefs. „Nach unserer Einschätzung liegen die Altlasten deutlich über den Einnahmen, die durch einen Börsengang realisiert werden können", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Laurenz Meyer (CDU), dem Handelsblatt. Die Politik müsse „genau und unvoreingenommen prüfen, welche Alternativen es gibt". Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Wend, betonte, die Frage des Börsengangs sei „derzeit nicht entscheidungsreif".

Müller plant, den „weißen Bereich" des Konzerns (Chemie, Immobilien, Kraftwerke) im Ganzen an die Börse zu bringen. Der Erlös soll in eine Stiftung eingebracht werden. Aus den Erträgen der Stiftung sollen die Altlasten des Bergbaus – Bergschäden und Pensionen – finanziert werden. Der Bund und das Land NRW sorgen sich, dass der Konzern unter Wert verkauft werden könnte und die Einnahmen nicht ausreichen, um die Altlasten zu tragen. NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) plädiert dafür, den Konzern in Teilen zu verkaufen, um höhere Einnahmen zu erzielen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte sich erst am Mittwoch kritisch zu Müllers Plänen geäußert. Nach Informationen des Handelsblatts treffen sich an diesem Freitag Glos, Müller, der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU), Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Als nächster Schritt auf dem Weg zur Börse sollen die Aktien der RAG zum Jahreswechsel an eine Stiftung übertragen werden. Die RAG-Aktionäre Eon, RWE und Thyssen-Krupp hätten, so Müller, inzwischen ihre grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, ihre Aktien zum symbolischen Preis von einem Euro abzugeben. Lediglich die Zustimmung des Luxemburgischen Stahlkonzerns Arcelor, der mit 6,5 Prozent an der RAG beteiligt ist, stehe noch aus. Wenn alle Aktionäre ihre Aktien übertragen haben, werde der RAG-Konzern in zwei Teile – den neuen Industriekonzern und den Bergbau – aufgeteilt. Anschließend soll die Stiftung den weißen Bereich ab dem zweiten Quartal 2007 in mehreren Tranchen an die Börse bringen, wobei sämtliche Einnahmen aus dem Verkauf der Aktien an die Stiftung fließen.

RAG-Finanzchef Peter Schörner bezifferte den aktuellen Wert der Industrieaktivitäten mit fünf Milliarden Euro. „Dies ist ein sehr solider Wert" für die drei Töchter Steag, Degussa und RAG Immobilien. Die Schulden der Unternehmen in Höhe von neun Milliarden Euro seien in dieser Summe berücksichtigt. Mit einem Vorsteuerergebnis von 1,4 Milliarden Euro hat der RAG-Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr sein bislang bestes Ergebnis erzielt. Der Überschuss stieg von 112 Millionen auf 292 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich um 19 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro, wobei sich vor allem die erstmals ganzjährige Konsolidierung des Spezialchemieherstellers Degussa ausgewirkt hat. mjh/str/HB

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