Wirtschaft : RAG rechnet mit neuer Zechenstruktur

ESSEN (rtr).Die Konzentration der Kohlezechen unter dem Dach der künftigen Deutschen Steinkohle AG (DSK) steht nach Einschätzung der Essener RAG kurz bevor.Mit der Genehmigung der Brüsseler EU-Kommission zur Übernahme der Saarbergwerke und der Preussag Anthrazit zum symbolischen Preis von jeweils einer DM werde spätestens im Juli gerechnet, sagte Konzernchef Gerhard Neipp am Donnerstag in Essen.Die Zechen-Zusammenlegung unter die Obergesellschaft RAG sei rückwirkend zum 1.Januar 1998 geplant.Die RAG, die frühere Ruhrkohle AG, werde damit zu einem Konzern mit 110 000 Mitarbeitern und Umsätzen von 29 Mrd.DM.

Der deutsche Bergbau erlebt damit nach der Gründung der Ruhrkohle vor fast 30 Jahren seine zweite grundlegende Neuordnung.Die Ruhrkohle hat seit 1969 Subventionen von insgesamt 95 Mrd.DM aus öffentlichen Kassen bezogen.Wegen der Kürzung der Subventionen muß das Unternehmen aber seit Jahren die Kohleförderung abbauen.Es engagiert sich deshalb immer stärker im internationalen Energie-Geschäft und in Geschäftsbereichen außerhalb des Bergbaus.

Der RAG-Vorstand bekräftigte seine Einschätzung, daß die Zahl der Bergleute im deutschen Bergbau wegen der anhaltenden Drosselung der Fördermengen bis zum Jahr 2005 auf insgesamt 36 000 Mitarbeiter mehr als halbiert werden muß.Im vergangenen Jahr wurde bei der RAG die Belegschaft um fast 6000 Beschäftigte auf knapp 96 300 Mitarbeiter reduziert.Im Bergbau-Geschäft sank die Zahl der Beschäftigten allein um 5000 auf rund 60 000.In diesem Jahr ist nach den Angaben von Personal-Vorstand Wilhelm Beermann mit einem weiteren Rückgang um rund 4000 Beschäftigte, im kommenden Jahr mit 4000 bis 5000 zu rechnen.

Vom RAG-Umsatz von knapp 25 Mrd.DM entfielen den Angaben des Unternehmens zufolge 1997 mit 17,9 Mrd.DM mehr als zwei Drittel auf die neuen Bereiche.Der Umsatz des Bergbaubereichs schrumpfte auf 7,1 (11,8) Mrd.DM.Die Kohleförderung wurde um rund 1,6 Mill.auf 37,4 Mill.Tonnen reduziert und soll im laufenden Jahr auf knapp 35 Mill.Tonnen sinken.Der Absatz ging um rund zwei Mill.auf 40,8 Mill.Tonnen zurück und dürfte 1998 37,7 Mill.Tonnen erreichen.

Trotz der anhaltenden Schrumpfung des Bergbaus im Inland sieht die RAG gute Chancen für den weltweiten Handel mit Kohle.Der jährliche Kohlebedarf werde in Deutschland für die kommenden Jahre konstant auf etwa 70 Mill.Tonnen prognostiziert.Bis zum Jahr 2005 dürfte der Bedarf an Importen sich auf rund 40 Mill.Tonnen verdoppeln.

Nach den Zukäufen des vergangenen Jahres belaufe sich die Förderkapazität der ausländischen RAG-Beteiligungen inzwischen auf rund 8,5 Mill.Tonnen.Auf mittlere Sicht werde ein Fördervolumen von 20 Mill.Tonen angestrebt.

Der Essener Konzern hat im vergangenen Jahr seinen Gewinn steigern können.Das Ergebnis aus dem laufenden Geschäft nahm um 76 Mill.DM auf 569 Mill.DM zu.Unter dem Strich blieb ein Jahresüberschuß von insgesamt 251 Mill.DM - ein Zuwachs von 25 Mill.DM.Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einer weiteren Zunahme.

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