Wirtschaft : Rangelei auf dem Pillen-Markt

Cordula Eubel

Für Pharmalobbyisten ist Berlin ein attraktives Spielfeld. Denn im Bundestag wird über die Rahmenbedingungen für den deutschen Markt entschieden. Etwa darüber, wie Zulassungsverfahren für Medikamente geregelt sind und ob irgendwelche Preisregeln gelten. Für die Pharmabranche geht es dabei um viel Geld. Deutschland ist der drittgrößte Pillen-Markt nach den USA und Japan. Die Firmen üben Druck aus, weil sich in vielen anderen Ländern die Preispolitik für Medikamente an den deutschen Preisen orientiert.

Zu den Verbänden, die beim Bundestag registriert sind, gehören gleich mehrere, die die Interessen der Pharmaindustrie vertreten: der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (VfA), der Konzerne wie Pfizer und Schering vertritt. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) kümmert sich eher um die mittelständischen Firmen. Zwei weitere Verbände setzen sich außerdem für die Interessen der Generikahersteller ein. Der im letzten Jahr frisch gegründete Verband Pro Generika vertritt die Großen der Branche: Ratiopharm, Hexal und Stada. Kleinere Hersteller werden vom Deutschen Generikaverband betreut.

Auch wenn die Verbände Lobbyarbeit machen, eröffnen immer mehr große Konzerne eine eigene Repräsentanz in der Hauptstadt. Zuletzt bezog im November 2004 das britische Unternehmen GlaxoSmithKline Büros in der Nähe des Reichstags, Unter den Linden. Die Firmen Altana und Bayer sind schon länger in Berlin vertreten. Das liegt allerdings auch daran, dass sie neben dem Pharmabereich auch andere Sparten haben. Eine zentrale Anlaufstelle soll die Lobbyarbeit der Unternehmen bündeln.

Die Pharmaverbände rekrutieren ihre Mitarbeiter zum einen nach dem Fachwissen. So gibt es beispielsweise Spezialisten, die sich mit allen Details der Zulassung von Arzneimitteln in Deutschland auskennen. Zum anderen ist gefragt, dass es Kontakte in die Politik gibt oder aber auch in die Ministerien. So kommt es vor, dass auch ehemalige Beamte mittlerweile für die Pharmalobby tätig sind.

Zu den prominentesten Lobbyisten gehört Cornelia Yzer. Mit 28 Jahren wurde sie Justiziarin beim Pharmakonzern Bayer und zog bereits ein Jahr später für die CDU in den Bundestag ein. Unter der Regierung Kohl wurde sie prompt nach einem Jahr im Parlament Staatssekretärin im Gesundheitsministerium. Heute leitet sie als Hauptgeschäftsführerin den VfA. Zu den Ex-Politikern, die im Gesundheitswesen mitmischen, gehört auch Ex-Gesundheitsminister Norbert Blüm. Er ist allerdings nicht im Verborgenen tätig: Seit letztem Jahr ist Blüm in Werbespots für den Hersteller Hexal zu sehen.

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