Wirtschaft : Rasen statt reisen

Wer im Sommer seine Ferien auf grünem Gras verbringen will, muss jetzt mit der Pflege beginnen

Esther Kogelboom

©Zdenek Miler, WWF Lizenzhaus Köln,

Die Sendung mit der Maus ©WDR

Was haben Prinz Charles und Reinhard Mey gemeinsam? Ganz einfach: sie sind beide große Gartenfans, was sich jedoch unterschiedlich ausdrückt. Der Prinz hat sich in der vergangenen Woche bei Gartenarbeiten auf seinem Landsitz Highgrove im westenglischen Gloucestershire verhoben und brach sich die Leiste, während unser Liedermacher seine Feriennachbarn auf Sylt bei der Kampener Kurverwaltung als „Gartennazis“ denunzierte – nur, weil die sich rund um die Uhr der maschinellen Rasenpflege widmeten und Reinhard Mey sich in seiner Sommerfrische gestört fühlte. Dabei ist Rasenpflege wichtig, besonders im Frühjahr. Wer nämlich Anfang April nicht ordentlich vertikutiert, düngt und lüftet, um den Grasfilz so zu entfernen, der kann seinen Grill im Sommer auf einer braun-vertrockneten Fläche aufstellen. Vertikutieren ist deshalb wichtig, weil nur durch die Häckselei Wasser, Luft und Nährstoffe an die wintermüden Graswurzeln kommen können. Auch, wenn der Rasen nach dem Vertikutieren wie gerupft aussieht: nach wenigen Wochen ist wieder Gras über die Sache gewachsen. Der grüne Teppich ist dann wieder schön. Profis vertikutieren nicht nur, sie wissen, dass danach noch das Aerifizieren dran ist. Auf kleinen Flächen sticht man einfach mit einer Grasgabel fünf bis zehn Zentimeter lange Löcher in die Erde. Auch das Mähen selbst, von Spöttern oft als Spießersport abgetan, ist von großer Bedeutung für die Rasenfläche. „Wer schludert und das Mähen vergisst, bekommt gleich die Rechnung“, schreibt die Garten-Fachfrau Dorothée Waechter in ihrem Buch „Garten Fix – Schnelle Lösungen für Ungeduldige“ (BLV Verlag). Nach dem Mähen solle man den Rasen jedoch düngen (zum Beispiel mit Dünger von Compo), da der Schnitt den Halmen Nährstoffe entziehe. Bei größeren Grasflächen lohnt sich der Kauf eines Streuwagens, so bekommt jeder Quadratmeter gleich viel Dünger ab.

Bei Hausbauern immer beliebter wird der praktische Rollrasen. Kein Wunder – niemand hat Lust, seinen ersten Sommer im neuen Garten auf einer unwirtlichen Brachfläche zu verbringen. So ein Rollrasen ist zwar ein bisschen teurer als ein Sack Samen, dafür wird es aber auch ohne allzu große Anstrengung über Nacht grün ums Haus. Bei „Grün für alle“ (Telefon: 033763 – 63481, www.rollrasen.de ) kostet ein Quadratmeter 3,06 Euro – wenn man bis zu neunzig Quadratmeter bestellt. Je mehr geordert wird, desto billiger wird es. An einem Rasenpflegeprogramm kommt man jedoch auch mit Rollrasen nicht vorbei: die Fertigbahnen müssen genauso ausführlich gewartet werden wie gewachsenes Grün.

Wem Gießkannen schleppen auf die Dauer zu anstrengend ist, dem sei die neue Bewässerungstechnik von Gardena, das Micro-Drip-System, empfohlen. Es besteht aus Verteilerschläuchen und Tropfstellen, die nach und nach Wasser abgeben, so dass es nicht zu einer Überschwemmung und somit zur Vermoosung kommen kann. Die Schläuche können mit Rohrklemmen am Boden fixiert werden, eine Zeitschaltuhr oder der Heimcomputer regeln Zeitpunkt und Menge der Wasserabgabe. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, man muss auch nicht mehr in aller Frühe aus den Federn, um den Garten zu wässern – die Morgenstunden sind bekanntlich für die Wasserzufuhr optimal. Auf Wasser in der Mittagszeit reagiert das Gras sehr empfindlich. Es soll Leute geben, die Maulwurfshügel mögen. Der Garten lebt! Für alle anderen: die einfachste Methode, das ästhetische Ärgernis aus dem Weg zu räumen, ist sicherlich ein kurzer Harken-Einsatz. Andere wollen lieber gleich den pelzigen Untergrundarbeitern den Garaus machen. Von solarbetriebenen Anlagen, die in Intervallen leichte Erdbeben verursachen (beim Quelle-Versand) bis zu Lebendfallen kann man vieles kaufen, das die Maulwürfe verjagen soll. Sicher ist nur, dass die Tierchen keinen Krach mögen. Daher können es besonders gewiefte Maulwurf-Gegener so probieren: einfach das Melodie-Modul aus einer „singenden“ Glückwunschkarte entfernen, in eine Plastikflasche geben und diese mit der Öffnung nach unten in ein Erdloch stecken. Der Maulwurf wird schnell in die ruhigeren Nachbargärten auswandern. Womöglich erst recht, wenn es sich um ein Reinhard-Mey-Lied handelt.

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