Rat der Wirtschaftsweisen : "Banker-Boni sind ein Nebenkriegsschauplatz"

Der neue Wirtschaftsweise, Volker Wieland, über Gehaltsgrenzen in der Geldbranche, den Kampf gegen die Finanzkrise und die Lage Italiens.

Carsten Bönstrup
Ausverkauf. Fitch hat Italiens Kreditwürdigkeit gesenkt – das Land ist gelähmt.
Ausverkauf. Fitch hat Italiens Kreditwürdigkeit gesenkt – das Land ist gelähmt.Foto: AFP

Herr Wieland, Italien hat noch immer keine neue Regierung. Geht die Finanzkrise jetzt von vorne los?
Sie war nie vorbei. Wer das geglaubt hat, lag falsch. Übrigens, die Unsicherheit über den Wahlausgang in Italien stand schon lang im Raum: Zwar war Montis Reformkurs positiv, aber niemand wusste, wie es nach der Wahl weitergeht. Bei dem Ergebnis jetzt überrascht es nicht, dass Anleger nun erst einmal vorsichtig sind.

Wird die Europäische Zentralbank ihre Ankündigung wahr machen müssen, den Euro durch Anleihekäufe zu stützen?
Die EZB will Staatsanleihen angeschlagener Länder nur kaufen, wenn sich eine Regierung zu Reformen verpflichtet. Es ist derzeit aber unsicher, ob eine neue italienische Führung das tun würde. Wenn Rom sich sträubt Bedingungen zu akzeptieren, aber trotzdem eines Tages Hilfe nötig haben sollte, wird es eng. Dann muss die EZB Farbe bekennen.

Käme Italien mit einer Weigerung durch, würden Spanien, Griechenland oder Portugal auch die Lust am Sanieren verlieren.
Sollte die EZB nachgeben, könnte es so kommen. Deshalb hatte ich die Ankündigung der EZB auch kritisiert. Auf jeden Fall wird es sehr schwierig. Allerdings, jede neue Regierung in Italien, die sich Geld am Markt leihen will, steht vor derselben Herausforderung. Sie muss mit einer Konsolidierungs- und Reformpolitik, die langfristig mehr Wachstum bringt, Anleger überzeugen, ihr Geld in italienische Staatsanleihen zu stecken. Nur so kann sich die Lage zum Besseren wenden.

Volker Wieland (47) ist seit März Mitglied im Rat der Wirtschaftsweisen. Er folgt auf den langjährigen Vorsitzenden Wolfgang Franz und lehrt monetäre Ökonomie in Frankfurt am Main.
Volker Wieland (47) ist seit März Mitglied im Rat der Wirtschaftsweisen. Er folgt auf den langjährigen Vorsitzenden Wolfgang Franz...Foto: dpa

Nicht nur in Italien gibt es großen Unmut über die Sparpolitik – sie sei von Europa verordnet und schädlich, lautet der Vorwurf.
Die Finanzmärkte verlangen eigentlich noch viel härtere Maßnahmen. Nur die Kredite durch den Rettungsschirm in Form des ESM und Staatsanleihenkäufe oder Ankündigungen der EZB geben den Krisenstaaten Gelegenheit, abzuwarten und langsamer vorzugehen. Europa ist nicht verantwortlich für die jeweiligen nationalen Probleme. Es oktroyiert auch keine Sparpakete, sondern gibt Kredite an Länder wie Portugal, Irland und Griechenland, sodass sie sich mit Sparen und Reformieren mehr Zeit lassen können. Im Übrigen haben die Regierungen in Spanien und Italien einfach auf den Kostendruck reagiert, mit dem sie sich bei der Kreditaufnahme am Markt konfrontiert sahen.

Welche Chancen hat Italien?
Italien ist schon lange verwundbar wegen seiner hohen Schulden und des geringen Wachstums. Dabei ist das Land nicht arm, es hat Potenzial und gute Unternehmen. Die Regierung Monti hat aber wohl mehr auf Steuererhöhungen als auf Ausgabenkürzungen und Reformen gesetzt. Der umgekehrte Weg wäre besser gewesen.

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