Wirtschaft : Ratgeber: Doppelter Versicherungsschutz muss nicht sein

Wolfgang Büser

Oft werden schon vor dem Ja-Wort Single-Haushalte zusammengelegt. Die doppelt vorhandene Kühltruhe kann verschenkt und das überzählige Geschirr beim Polterabend zerschmettert werden. Was aber geschieht mit doppelt vorhandenen Versicherungspolicen - unabhängig davon, ob "eheähnlich" oder verheiratet zusammen gelebt wird?

Hausratversicherung: Für den gemeinsamen Haushalt bietet sich die Zusammenlegung der Versicherungen an. Dabei sollte die Versicherung mit dem älteren Recht bestehenbleiben, die jüngere Versicherung zum Bezug der gemeinsamen Wohnung aufgelöst werden. Wenn teure Einrichtungsgegenstände, die vorher in beiden Wohnungen vorhanden waren, nun nur noch einmal gebraucht werden, sollte man eine Ermäßigung der Versicherungssumme erwägen.

Privat-Haftpflichtversicherung: Der Ehepartner ist automatisch eingeschlossen, und auch hier heißt es grundsätzlich: Der jüngere Vertrag wird aufgehoben. Und auch ein Nichtverheirateter kann, wenn er in einer eheähnlichen Gemeinschaft lebt, in den Vertrag des Partners aufgenommen werden. Aber: "gegenseitige" Ansprüche sind dann - wie unter Eheleuten - ausgeschlossen. Wichtig: Die Versicherung, bei der die Police bleibt, muss umgehend über den (Ehe-)Partner informiert werden, damit sie oder er in den Versicherungsschutz aufgenommen werden kann. In der Regel erhöht sich der Beitrag bei der bestehenden Versicherung nicht, da die private Haftpflichtversicherung alle in häuslicher Gemeinschaft lebenden Familienangehörigen einschließt.

Rechtsschutzversicherung: Auch hier ist der Ehepartner ohne Zusatzbeitrag eingeschlossen, die jüngere Police wird aufgehoben. Genauso verfahren Lebenspartner, die nicht verheiratet sind.

Private Unfallversicherung: Individueller Schutz ist verständlicherweise nicht übertragbar. Die meisten Versicherungsunternehmen bieten jedoch die Möglichkeit, den Vertrag in eine Familien-Unfallversicherung umzuwandeln, so dass einerseits Rabatt und andererseits "flächendeckender" Schutz gewährleistet ist. Tipp für frisch Vermählte, die schon Unfallpolicen besitzen: Sie ändern den Namen der bezugsberechtigten Person, damit der hinterbliebene Partner die Leistungen im Todesfall erhält. Auch nicht verheiratete Paare können sich für den Todesfall gegenseitig das Bezugsrecht einräumen; sonst fallen die Versicherungsleistungen den Erben zu - und dazu gehören nichteheliche Lebenspartner nicht. Übrigens: Mehrere Versicherer versichern die Person, die ohne eigene Unfallversicherung in die Ehe gegangen ist, für die ersten Monate beitragsfrei mit. Das gilt auch für ein Baby.

Lebensversicherung: Verträge, die ein Paar vor der Ehe abgeschlossen hat, laufen unverändert und unabhängig voneinander weiter. Doch auch hier heißt es aufpassen, da im Vertrag vermerkt sein muss, ob nun der Ehe- oder Lebenspartner derjenige sein soll, der im Erlebens- oder Todesfall das Geld ausgezahlt bekommt - oder jemand anderes. Wichtig: Das Bezugsrecht bei einer kapitalbildenden Lebensversicherung kann nur dann geändert werden, wenn es "widerruflich" vereinbart wurde. Dies ist in der Regel auch der Fall. Alternativ ist bei einer Änderung des Bezugsrechts die Zustimmung des eingetragenen Bezugsberechtigten erforderlich - ohne ihn läuft also nichts.

Krankenversicherung: Wer mehr als 630 Mark monatlich verdient, der ist versicherungspflichtig - egal, ob verheiratet oder "Single". Gibt jedoch ein berufstätiger Ehepartner seine Arbeit auf, so ist er automatisch beim Anderen - noch berufstätigen - mitversichert. Hat der Erwerbstätige aber eine private Krankenversicherung, so muss er die Partnerin - umgekehrt den Partner - zusätzlich versichern, wenn sie - er - sich nicht bei der gesetzlichen Krankenkasse, der sie - er - vorher pflichtgemäß angehört hat, "freiwillig weiterversichert".

Berufsunfähigkeitsversicherung: Wer am Anfang des Berufslebens steht, der hat meistens erst nach fünf Jahren "Wartezeit" Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Hinzu kommt, dass mit dem Verlust der Arbeitskraft meist auch der Lebensstandard leidet. Jeder Partner braucht seinen eigenen Vertrag.

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