Wirtschaft : Ratgeber: Entschädigung für fehlenden Golfplatz

Wolfgang Büser

Der Sommer naht, die Deutschen buchen ihren Jahresurlaub. Im Folgenden wird auf einige der neuesten Entscheidungen deutscher Gerichte im Reiserecht aufmerksam gemacht:

Fehlt ein im Reiseprospekt zugesicherter Golfplatz am Urlaubsort, so kann der Urlauber den Reisepreis nachträglich mindern. In dem entschiedenen Fall gelang die Minderung um 15 Prozent (Landgericht Kleve, 6 S 84/00).

Informiert ein Reiseveranstalter in einer Broschüre unzutreffend über Einreisebestimmungen (im verhandelten Fall betraf dies ein minderjähriges Kind bei einer Reise nach Tunesien), so muss er den vollen Reisepreis zuzüglich des Aufwandes für eventuell vergeblich beschaffte Reisepapiere ersetzen, wenn der Flug nicht mehr erreicht wurde (Amtsgericht Hannover, 548 C 1399/00).

Wird ein Pauschaltourist statt im gebuchten Appartement vorübergehend in einem Holzbungalow untergebracht und muss er in dieser Zeit Gemeinschaftstoiletten benutzen, die zudem völlig verdreckt waren, so rechtfertigt dies für die betreffenden Tage die volle Rückzahlung des Reisepreises (Amtsgericht Bielefeld, 42 C 1027/99).

Hat eine Familie eine Ferienwohnung privat angemietet, stellt sich die Unterkunft aber als fast nicht bewohnbar heraus (etwa wegen verklebter Fenster, Silberfische), so kann zwar der Mietpreis gemindert, nicht aber Schadenersatz für vertane Urlaubsfreuden verlangt werden, da dieses Recht nur bei Pauschalreisen besteht (Amtsgericht Trier, 32 C 48/00).

Heben Reiseunternehmen den Reisepreis wegen gestiegener Kerosinkosten nachträglich an, so haben Urlauber auch noch nach der sonst geltenden Monatsfrist das Recht, die vom Reiseveranstalter zu Unrecht erhobenen Zuschläge zurückzufordern. Für solche Bereicherungsansprüche gilt eine Verjährungsfrist von 30 Jahren (Amtsgericht Kleve, 3 C 346/00).

Bucht eine vierköpfige Familie eine Pauschalreise und soll wegen der einjährigen Tochter im Flugzeug die Reihe mit den Babysitzen reserviert werden, was aber aufgrund eines Fehlers des Reiseveranstalters nicht geschieht, so dass die Tochter den (hier: elfstündigen) Flug auf dem Schoß der Mutter verbringen muss, so kann der Reisepreis bis zu fünf Prozent gemindert werden (Amtsgericht München, 111 C 1778/01).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben