• Ratgeber Sozialrecht: Modell der Altersteilzeit erweitert - Seit Monatsanfang Zeitraum von fünf auf sechs Jahre ausgedehnt

Wirtschaft : Ratgeber Sozialrecht: Modell der Altersteilzeit erweitert - Seit Monatsanfang Zeitraum von fünf auf sechs Jahre ausgedehnt

Wolfgang Büser

Neues Recht gilt seit dem 1. Juli 2000 auch für die Regelungen zur Altersteilzeit. Und zwar für Arbeitnehmer, die mindestens 55 Jahre alt sind und in den letzten fünf Jahren mindestens drei Jahre versicherungspflichtig beschäftigt waren. Sie können seit Monatsanfang mit ihrem Arbeitgeber im Rahmen einer grundsätzlich sechsjährigen Altersteilzeitvereinbarung ihre Arbeitszeit auf die Hälfte reduzieren - bisher bestand eine fünfjährige Altersteilzeitvereinbarung. Dabei zählen Zeiten des Bezuges von Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe wie eine Beschäftigung. Möglich ist dies entweder in Form einer Halbtagsstelle, oder als "Blockmodell": drei Jahre Vollzeitjob, danach drei Jahre bezahlte Freistellung bis zur Rente. Bisher galt dies jeweils nur für zweieinhalb Jahre.

Für den Arbeitnehmer bedeutet die neue Regelung, dass er bei halber Arbeitsleistung für die gesamte Zeit der Altersteilzeit mindestens 70 Prozent, in vielen Tarifbereichen sogar deutlich über 80 Prozent seines letzten Vollzeitnettolohnes erhält. Außerdem werden die Rentenbeiträge nach 90 Prozent des Vollzeitbruttoentgelts entrichtet.

Wird die Stelle wieder besetzt, so übernimmt das Arbeitsamt den vom Arbeitgeber zu tragenden Aufstockungsbetrag zum Lohn bis 70 Prozent des früheren Nettolohnes und den höheren Beitrag für die Rente.

Bereits seit Beginn des laufenden Jahres kann ein Arbeitnehmer auch von Teilzeit auf Altersteilzeit umsteigen. Bedingung dafür sind ebenfalls drei Jahre Versicherungspflicht in den letzten fünf Jahren und eine Halbierung der Arbeitszeit. Der neue Teilzeitjob muss jedoch versicherungspflichtig bleiben. Konkret heißt das, dass er mehr einbringen als 630 Mark im Monat.

Beispiel: Eine 55-jährige Arbeitnehmerin war bisher 20 Stunden wöchentlich beschäftigt. Sie verdient netto 1678 Mark und kann künftig wählen, ob sie im Rahmen der Altersteilzeit - bis zum 60. Lebensjahr nur noch zehn Stunden wöchentlich oder - bis zum Alter von 57 Jahren und sechs Monaten wie bisher (20 Stunden), danach bis zum Rentenbeginn mit 60 Jahren nicht mehr arbeitet oder - bis zum Alter von 58 Jahren wie bisher (20 Stunden), danach bis zum Rentenbeginn mit 61 Jahren nicht mehr arbeitet.

Gezahlt werden durchgehend mindestens 70 Prozent des früheren Teilzeitnettoverdienstes in Höhe von 1174 Mark und Rentenversicherungsbeiträge von mindestens 90 Prozent des früheren Teilzeitbruttoentgelts.

Neu seit Juli 2000 ist auch, dass die Mindestbeschäftigungsdauer des Arbeitnehmers, der den durch Altersteilzeit frei gewordenen Arbeitsplatz besetzt, von drei auf vier Jahre angehoben worden ist.

Schließlich hat der Gesetzgeber auch die Geltungsdauer des Gesetzes verlängert. Bisher musste die Altersteilzeit spätestens am 31. Juli 2004 begonnen haben. Jetzt reicht es aus, den Übergangszeitraum in den Ruhestand spätestens am 31. Dezember 2009 zu starten. Das bedeutet für die Arbeitnehmer konkret: Das Altersteilzeitgesetz kann noch bis zum Jahre 2015 wirken. Allerdings nur dann, wenn es bis dahin nicht erneut geändert wird.

Ein gesetzlicher Anspruch auf Altersteilzeit besteht für Arbeitnehmer auch nach dem neuen Gesetz nicht, kann sich also nur aus dem Tarifvertrag oder einer Vereinbarung mit der Arbeitgeberseite ergeben.

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