Wirtschaft : RATGEBER: VERSICHERUNGEN - Beschwerde sinnvoll

HELMUT ZERMIN

Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen der PartnerVON HELMUT ZERMIN

Wer Ärger mit seiner Versicherung hat, kann sich trotz EU-Binnenmarkt weiterhin beim Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) in Berlin beschweren.Die Berliner Beamten müssen sich dann mit dieser Beschwerde befassen. Im Prinzip ist solch eine Beschwerde ganz einfach: Der Beschwerdebrief sollte unter Angabe der Versicherungsscheinnummer oder Schadennummer und des betroffenen Unternehmens und einer kurzen Schilderung des Vorfalles an das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen, Ludwigkirchplatz 3 bis 4, 10719 Berlin geschickt werden.Betroffene sollten sich dabei nicht scheuen auch Kopien der Versicherungs-Police mitzuschicken.Sobald der Beschwerdebrief beim Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen eingegangen ist, fordern die Beamten das betroffene Unternehmen dann zu einer schriftlichen Stellungnahme auf. In folgenden Fällen kann eine Beschwerde beim Bundesaufsichtsamt Erfolg haben: Wenn das Unternehmen ein Fehler bei der Prämienberechnung oder bei der Auszahlung einer Versicherungsleistung gemacht hat, wenn der Versicherer eine Schadenzahlung mit fadenscheinigen Gründen hinauszögern will, wenn ein Lebensversicherer dem Kunden bei Ablauf der Police nachweislich zuwenig Geld auszahlt.Denn die Berechnungen der Lebensversicherer sind für Außenstehende nicht überprüfbar und können nur durch die Berliner Beamten kontrolliert werden.Ihnen liegen nämlich die internen Zahlen vor.Schließlich können Beschwerden dann Erfolg haben, wenn Versicherte, eine Kapitallebensversicherung kündigen wollen, nachdem sie beispielsweise erst zwei Monatsprämien eingezahlt haben. In folgenden Fällen hat die Beschwerde dagegen meist keinen Erfolg: Wenn der Kunde sich über den zu niedrigen Rückkaufswert bei seiner Kapitallenbensversicherung beschwert, wenn sich ältere Kunden bei privaten Krankenversicherungen über zu hohe Prämien im Alter beschweren. Alleine 1996 wandten sich rund 30 000 Bürger mit Beschwerden und Anfragen an die Versicherungshüter in Berlin.Spitzenreiter war 1996 die Kraftfahrzeugversicherung mit rund 5100 Beschwerden.Der Anstieg hat seine Ursache neben den Kündigungsproblemen auch in der dort bestehenden Tarifvielfalt und insbesondere in der Einführung des Kfz-Typentarifes. An zweiter Stelle lag mit 5000 Beschwerden 1996 die Krankenversicherung.Hier überwogen Fragen zur Zulässigkeit von Beitragsanpassungen, Probleme beim Wechsel in andere Tarife und auch Deckungsfragen. An dritter Stelle stand 1996 mit rund 4100 Beschwerden die Lebensversicherung.Der größte Teil dieser Beschwerden entstand im Zusammenhang mit der Höhe von Rückkaufwerten, der Ablaufleistung und der Senkung der Überschußbeteiligung in der Rentenversicherung. Hauptbeschwerdeursachen waren auch 1996 Probleme bei der Beendigung von Policen.Hier spielen einmal in der Lebensversicherung Probleme mit der Überschußbeteiligung bei Vertragsende eine Rolle aber auch außerordentliche Kündigungen in den Versicherungszweigen, bei denen in der Vergangenheit in der Regel 10-Jahresverträge abgeschlossen worden sind. Seit Mitte 1995 müssen die obersten Versicherungshüter nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Berlin eine Beschwerdestatistik über die an sie gerichteten Beschwerden von Versicherungskunden, aufgeschlüsselt nach Versicherungsunternehmen und den Sparten Lebens-, Kranken-, Haftpflicht-, Hausrat-, Kfz- und Unfallversicherung veröffentlichen (OVG Berlin AZ: 8 B 16/94 Urteil vom 25.Juli 1995). Abhilfe bei Ärger mit Versicherungsunternehmen können aber oft auch schon die örtlichen Verbraucherzentralen oder der Verbraucherschutzverein e.V.(VSV), Bayreuther Str.41, 10787 Berlin, oder der Bund der Versicherten e.V.Postfach 1153, 24547 Hennestedt-Ulzburg schaffen.

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