Wirtschaft : Ratgeber: Viele Risiken lauern auf den Bauherren

Jörg Knospe

Keine andere Geldanlage genießt bei den Deutschen ein so hohes Ansehen wie das Wohneigentum. Mit einer Wertschätzung von 85 Prozent liegt es nach einer Emnid-Umfrage noch vor der Lebensversicherung. Ein gutes Drittel der Bevölkerung spart derzeit direkt für eine Immobilie, unter den 30- bis 39jährigen Deutschen sogar fast jeder zweite.

Auf dem Weg zu den eigenen vier Wänden gibt es jedoch viele Fallen. Vielerlei Risiken lauern auf den geplagten Bauherren, und das bei ohnehin angespannten Finanzen. Da schludern Handwerker, die Baufirma geht pleite, teures Material verschwindet, ein Helfer stürzt vom Gerüst. Der Dachstuhl hält vielleicht gerade noch dem Sturm stand. Bei Schweißarbeiten aber wird er ein Raub der Flammen.

Versicherungen verhindern zwar kein Missgeschick, doch machen sie die finanziellen Folgen erträglich - vom Erwerb des Grundstücks an bis zum Einzug ins neue Domizil. Während der Staat in der Planungs- und Bauphase mit allerlei Vorschriften genervte Bauherren schier zur Verzweiflung bringen kann, hält er sich aus Versicherungsdingen fast völlig raus. Trotz des knappen Geldes wäre es aber verkehrt, an diesem Ende zu sparen.

Geradezu unabdingbar sind zwei Policen: die Bauherrenhaftpflicht- und die Bauleistungsversicherung. Stürzt ein Handwerker oder ein spielendes Kind in eine ungesicherte Baugrube, fallen Zementsäcke oder Bretter vom Gerüst, senkt sich infolge des Baus das Grundstück des Nachbarhauses, dann haftet der Bauherr.

Entwarnung von der Versicherung

Vor finanziellem Aderlass schützt ihn die Bauherrenhaftpflichtversicherung - vom ersten Spatenstich bis zur Bauabnahme. Nach Auskunft der DBV-Winterthur Versicherungen muss der Bauherr sich vor Erteilung des Auftrags davon überzeugen, ob Architekt, Bauunternehmer und Handwerker zuverlässig sind. Der Bauherr ist sogar verpflichtet, sie sorgfältig zu überwachen. Er selbst ist dafür verantwortlich, dass sich während seines Bauvorhaben niemand gefährdet oder verletzt. Auf die Architekten oder die Baufirmen kann er sich letztlich nicht berufen, obwohl zunächst sie für die Sicherheit einstehen müssen. Entwarnung kommt von der Versicherung: Sie schützt den Bauherrn, wenn er einen Personen-, Sach- oder Vermögensschadens ersetzen soll. Auch im Falle eines Rechtsstreits steht sie ihm bei. Für ihre Dienste verlangt beispielsweise die VHV in Hannover rund 350 Mark Beitrag bei 500 000 Mark Bau- und zwei Millionen Mark Deckungssumme. Wer selbst Wände hochzieht und handwerkert, zahlt für 100 000 Mark erbrachter Eigenleistungen etwa 140 Mark. Das macht zusammen 490 Mark Einmalbeitrag bei maximal zwei Jahren Bauzeit und in Verbindung mit einer weiteren Baupolice, etwa einer Bauhelfer-Unfallversicherung ab 50 Mark.

Für kleinere Bauvorhaben reicht bisweilen die normale Privathaftpflichtpolice. Sie bietet bei Aus- und Anbauten, also etwa des Dachs, oder eines Wintergartens von 30 000 Mark bis 50 000 Mark oft einen Minimalschutz und ersetzt dann Schäden bis zu 20 000 Mark. Eine spezielle Haftpflichtpolice für unbebaute Grundstücke empfiehlt sich, wenn ein Bauvorhaben noch völlig ungewiss ist. Kostenpunkt etwa 100 Mark. Aber Achtung: Die Privathaftpflicht reicht in der Regel nicht, wenn jemand auf einem unzulänglich gesicherten Grundstück verunglückt.

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