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Ratingagentur : Finanzministerium rügt Moody's für Negativ-Bewertung

Die Ratingagentur Moody's sieht im Zuge der Staatenrettung erhebliche Risiken auf Deutschland zukommen - und schlägt Alarm. Die Bundesregierung aber wiegelt ab: Die deutsche Wirtschaft sei langfristig auf der sicheren Seite, heißt es aus dem Finanzministerium.

Die Ratingagentur Moody's glaubt, dass die Risiken der Euro-Krise auch Länder mit AAA-Rating in finanzielle Schwierigkeiten bringen können.
Die Ratingagentur Moody's glaubt, dass die Risiken der Euro-Krise auch Länder mit AAA-Rating in finanzielle Schwierigkeiten...Foto: dpa

Die Ratingagentur Moody's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Deutschlands auf “negativ“ herabgestuft. Grund dafür seien mögliche weitere, hohe finanzielle Kosten im Gefolge der Euro-Krise für Griechenland, Spanien und Italien, erklärte die Agentur am späten Montagabend. Solche Kosten müssten dann vor allem wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland als größte Volkswirtschaft der Euro-Zone schultern, hieß es. Auch der Ausblick für die Niederlande und Luxemburg wurde auf “negativ“ gesenkt. Bei der Kreditwürdigkeit als solcher behielt Deutschland aber auch bei Moody's nach wie vor die Bestnote, die es auch bei den anderen beiden großen Ratingagenturen innehat.

Das Bundesfinanzministerium reagierte umgehend und betonte, Deutschland bleibe weiter Stabilitätsanker in der Euro-Zone. Man befinde sich auch weiter in einer sehr soliden wirtschaftlichen und finanziellen Lage. Die Einschätzung von Moody's stelle die kurzfristigen Risiken in den Vordergrund, während längerfristige Stabilisierungsaussichten unerwähnt blieben.

Am Geldmarkt kamen die Nachrichten nicht gut an. Der Euro verlor gut 0,2 Prozent, hielt sich mit etwas über 1,21 Dollar aber über dem Zweijahres-Tief von 1,2067 vom Montag.

An der Aktienbörse in Tokio verlor der Leitindex Nikkei 0,7 Prozent. Allerdings nannten Händler nicht den geänderten Moody's-Ausblick als Grund, sondern weiter die zugespitzte Lage in Spanien. Die US-Börsen hatten am Montag ebenfalls nachgegeben, was aber ebenfalls auf Spanien und Griechenland zurückgeführt wurde. Die Moody's-Mitteilung kam erst nach US-Börsenschluss.

Moody's erklärte, es sei inzwischen wahrscheinlicher geworden, dass Griechenland die Euro-Zone verlassen könnte. Das könne zu einer ganzen Kette von Schocks an den Finanzmärkten führen, die die Politik nur zu sehr hohen Kosten eindämmen könnten. Zudem könne es sein, dass Deutschland und andere Länder mit der Spitzen-Bonität “Aaa“ ihre Unterstützung für angeschlagene Euro-Länder wie Spanien und Italien aufstocken müssten. Die Hauptlast für eine solche Stützung würde auf die Top-gerateten Staaten der Euro-Zone fallen. Das spiegele sich nun in dem von “stabil“ auf “negativ“ geänderten Ausblick wider.

Moody's habe nun alle Länder mit einem negativen Ausblick versehen, von denen man davon ausgehe, dass sie einen Hauptteil finanzieller Hilfen tragen müssten, erklärte die Agentur. “Wir sind in einer Übergangsphase, die mehrere Jahre andauern kann. Während dieser Phase sehen wir zusätzlichen Druck auf die Länder mit den stärksten Haushalten, was steigenden Druck auf deren Kreditwürdigkeit nach sich zieht.“ Ein negativer Rating-Ausblick bedeutet, dass nach einiger Zeit eine Herabstufung auch der Kreditwürdigkeit insgesamt fällig werden könnte - was oft höhere Kosten für das Land bei der Aufnahme neuer Kredite nach sich zieht.

Deutschland kann derzeit zu äußerst niedrigen Zinsen frisches Geld aufnehmen, im Gegensatz zu Ländern wie Spanien oder Italien, die teils mehr als sieben Prozent zahlen müssen.

Das ebenfalls mit der Moody's-Bestnote bewertete Finnland entging indes einem verschlechterten Ausblick. Die Agentur begründete das unter anderem mit dem kleinen und auf den Heimatmarkt fokussierten finnischen Bankensystem, von dem nur geringe Risiken ausgingen.

Erst im Februar hatte Moody's den Ausblick für die ebenfalls mit “Aaa“ bewerteten Länder Frankreich und Österreich auf “negativ“ gestuft. Dies bedeutet nicht zwangsläufig eine Herabstufung in naher Zukunft, ist aber ein Hinweis darauf, dass der Spielraum bei einer Verschlechterung der öffentlichen Finanzen nur noch gering ist.

Bei der Agentur S&P haben Deutschland, die Niederlande, Luxemburg und Finnland ebenfalls die Bestnote, aber nur Deutschland noch einen “stabilen“ Ausblick. Die dritte große Agentur, Fitch, bewertet die vier Länder ebenfalls mit “AAA“, gibt ihnen allen aber einen stabilen Ausblick. (rtr)

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