Wirtschaft : Ratingagentur stuft Griechenland ab Fitch glaubt nicht an „weiche“ Umschuldung

Athen/Frankfurt am Main - Wenige Tage vor der Präsentation eines neuen Sparprogramms hat die US-Ratingagentur Fitch erneut deutlich die Kreditwürdigkeit Griechenlands gesenkt. Die Bonität sinkt um gleich drei Noten von „BB+“ auf „B+“, wie Fitch mitteilte. Damit folgt Fitch der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P), die ihre Bewertung bereits Anfang April um zwei weitere Noten reduziert hatte. Beide Agenturen beurteilen zudem den Ausblick negativ, was weitere Herabstufungen erwarten lässt.

Fitch begründet den Schritt zum einen mit Problemen bei der Umsetzung der Sparprogramme Griechenlands. Zudem verweist die Agentur auf politische Risiken. Bei dem aktuellen Rating geht die Agentur davon aus, dass Griechenland neue Hilfszahlungen durch die Europäische Union (EU) und den Internationalen Währungsfonds (IWF) erhalten wird. Zudem nimmt die Agentur an, dass es zu keiner „weichen“ Umschuldung in Griechenland kommen wird.

Laut der Agentur APA sagte Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde der Tageszeitung „Der Standard“, dass die Griechen zwar intensiv daran arbeiteten, wieder auf die Füße zu kommen. Das sei aber noch nicht genug, vor allem bei der Privatisierung. Lagarde sagte: „Griechenland droht die Staatspleite.“

Unterdessen sieht Bundesbankpräsident Jens Weidmann die Euro-Zone insgesamt am Scheideweg: „Die künftige Rolle der europäischen Währungsunion wird davon abhängen, wie mit dieser Situation umgegangen wird“, sagte er mit Blick auf Griechenland. Es bestehe aber „kein Zweifel, dass es zuerst und vor allem Aufgabe Griechenlands selbst“ sei, geeignete zusätzliche Schritte zu ergreifen, sollten die eingeleiteten Reformen nicht ausreichen. Der von Athen eingeschlagene Sparkurs sei hart, aber unerlässlich, um Vertrauen wieder herzustellen.

Weidmann warnte zudem vor einer Verlängerung der Laufzeiten griechischer Staatsanleihen. Eine solche „weiche“ Umschuldung des hoch verschuldeten Landes berge große Gefahren und könne wichtige Reformen nicht ersetzen, sagte Weidmann. Kritiker befürchten, dass eine „weiche“ Umschuldung Griechenlands ähnliche Begehren nach Hilfe bei anderen kriselnden Euro-Staaten wie Irland und Portugal wecken könnte.

Papandreou will kommende Woche die Eckpunkte eines neuen, noch schärferen Sparprogramms bekanntgeben. Ziel sei, 50 Milliarden Euro bis 2015 durch den Verkauf staatlicher Immobilien und Privatisierung einzunehmen. Zudem sollen in den kommenden zwei Jahren durch weitere Steuereinnahmen 26 Milliarden Euro in die Staatskassen fließen. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben