Wirtschaft : Ratingagentur zweifelt an Amerika „Warnschuss für die USA“ Aktienmärkte verlieren

Harte Prüfung. In der US-Regierung regte sich ob der Entscheidung Ärger. Foto: AFP Foto: AFP
Harte Prüfung. In der US-Regierung regte sich ob der Entscheidung Ärger. Foto: AFPFoto: AFP

Washington/Düsseldorf - Die Schuldenkrise erfasst nach Europa auch die USA. Die mächtigste Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) drohte der größten Volkswirtschaft der Welt am Montag mit einer Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. S&P senkte den Ausblick von „stabil“ auf „negativ“, womit eine Rücknahme der Bestnote „AAA“ in Reichweite gerät. „Das könnte der Auftakt sein für eine Schuldenkrise in den USA, in jedem Fall ist es aber ein Warnschuss“, sagte ein Aktienhändler.

„Mehr als zwei Jahre nach Beginn der aktuellen Krise haben sich die US-Politiker noch immer nicht geeinigt, wie sie den finanzpolitischen Abwärtstrend umkehren oder den langfristigen Finanzdruck angehen“, begründete S&P-Analyst Nikola Swann die Maßnahme. Eine Herabstufung würde die Refinanzierungskosten der USA deutlich erhöhen. Die USA hätten im Vergleich zu anderen Ländern mit der Bestnote „AAA“ – wie etwa Deutschland – sehr große Haushaltsdefizite, erklärte S&P. „Wie diese reduziert werden sollen, ist uns nicht klar.“ Die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts der Bestnote bezifferte S&P auf mindestens ein Drittel binnen zwei Jahren.

Die Entscheidung sorgte für Turbulenzen an den Märkten. Wichtige Aktienindizes in Europa und den USA gaben kräftig nach. Der Dax lag bei Handelsschluss mit minus 2,1 Prozent nur noch knapp über 7000 Punkten. Auch andere europäische Börsen verloren deutlich – genau wie der Dow Jones. Anleger flüchteten in Anlagen, die ihnen sicherer erschienen. Der Goldpreis kletterte auf ein Allzeithoch von 1495 Dollar pro Feinunze.

Die US-Regierung rügte das Vorgehen von S&P. „Der negative Ausblick unterschätzt die Fähigkeit der Führer Amerikas, gemeinsam die schwierigen finanzpolitischen Herausforderungen anzugehen, vor denen die Nation steht“, erklärte Finanzstaatssekretärin Mary Miller.

Das Etatdefizit von US-Präsident Barack Obama wird dieses Jahr rund zehn Prozent, der Schuldenstand annähernd hundert Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen – zum Vergleich: Das europäische Krisenland Portugal hat lediglich eine Defizitquote von rund sieben und eine Schuldenquote von etwa 80 Prozent.

Erst in letzter Minute hatte Obama in der vergangenen Woche seinen Haushalt durch den Kongress gebracht. Bis spätestens Juli muss der Kongress die gesetzliche Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar anheben, damit die Vereinigten Staaten zahlungsfähig bleiben. Die Republikaner fordern von Obama für die nächsten Jahre einen drastischen Sparplan. HB

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