RATINGAGENTUREN : Schlechte Noten bringen in Not

Die Ratingagenturen tragen in den Augen vieler Kritiker eine Mitschuld an der Schuldenkrise. Ihre Urteile über ein Land signalisieren den Investoren, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie ihr Geld jemals vollständig wieder zurückbekommen. Je geringer die Wahrscheinlichkeit, desto höher sind die Zinsen, die Anleger beim Kauf der entsprechenden Staatsanleihen verlangen. Ein schlechtes Urteil macht die Kreditaufnahme für ein Land also teuer.

Zuletzt war dies etwa bei Portugal der Fall: Die Ratingagentur Moody’s hatte die Kreditwürdigkeit des Landes gleich um vier Noten gesenkt. Zur Begründung hieß es, die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass die Portugiesen demnächst noch weitere Hilfskredite von den europäischen Partnerländern benötigen könnten. Daraufhin kletterten die Risikoaufschläge für portugiesische Staatsanleihen in die Höhe. Damit aber sinkt die Wahrscheinlichkeit erst recht, dass sich Portugal im kommenden Jahr wieder selbst zu angemessenen Zinsen am Kapitalmarkt finanzieren kann.

Politiker von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bis hin zur IWF-Chefin Christine Lagarde werfen den Agenturen darum vor, dass sie ihr Bemühen um eine Lösung der Schuldenkrise konterkarieren. Die Agenturen verteidigen sich mit dem Argument, nicht der Politik, sondern allein ihren Investoren verpflichtet zu sein. Bundesbank- Präsident Jens Weidmann warnte kürzlich davor, die Agenturen für die Krise verantwortlich zu machen. Zwar sei die Kritik in Teilen berechtigt, jedoch lenke sie von den eigentlichen Problemen ab. „Die kritisierten Bonitätsnoten sind ja nicht willkürlich, sie spiegeln reale Probleme in den betroffenen Ländern wider. Diese Probleme und ihre oft zu zögerliche Bewältigung machen mir viel mehr Sorgen als die Urteile der Agenturen.“ mirs

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