Wirtschaft : RatingagenturMoody’s warnt USA Experten verlangen weiteren Schuldenabbau

New York/London - Die beiden führenden Ratingagenturen fordern die USA zum weiteren Schuldenabbau auf – anderenfalls könne die weltgrößte Volkswirtschaft in ihrer Kreditwürdigkeit herabgestuft werden. Moody’s und Standard & Poor’s kritisierten den US-Haushaltskompromiss als nicht ausreichend, im Kampf gegen das Haushaltsdefizit müsse mehr getan werden. Die USA haben nach Aussagen der Regierung bereits zum Jahresende die gesetzlich festgelegte Obergrenze des Schuldenbergs von 16,4 Billionen Dollar (12,4 Billionen Euro) erreicht.

In einer Mitteilung warnte die Agentur Moody’s die USA: Sollte es keine weiteren Anstrengungen zur Reduzierung des Haushaltsdefizits geben, „könnte dies die Kreditbewertung negativ beeinflussen“. Bei Moody’s wird die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten derzeit noch mit der Bestnote „Triple A“ bewertet. Allerdings ist der Ausblick für das Rating „negativ“. Bei Standard & Poor’s haben die USA das Toprating bereits verloren. Der Ausblick ist ebenfalls negativ, so dass eine weitere Abstufung möglich ist. Ein schlechteres Rating kann die Aufnahme von Geld am Kredit- und Kapitalmarkt verteuern oder erschweren.

Die Ratingexperten von Moody’s honorierten zwar die Einigung zwischen Demokraten und Republikanern auf moderate Steuererhöhungen als einen weiteren Schritt, das Haushaltsdefizit einzudämmen. Wenn die USA ihre Topnote behalten wollten, müsse aber mittelfristig ein Abwärtstrend bei der Staatsverschuldung erkennbar sein.

Auch Ökonomen fordern die USA zum nachhaltigen Schuldenabbau auf. Für den Präsidenten des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, Dennis Snower, ist der Kompromiss im US-Haushaltsstreit nur ein erneuter Beleg politischer Kurzatmigkeit. Es fehle an einem langfristigen Fiskalplan in den USA, um die Verschuldung abzubauen und die Wirtschaft anzukurbeln. „Und die Weltkonjunktur wird in Zukunft weiter unter Druck geraten, wenn in den USA nicht ein grundlegendes politisches Umdenken gelingt“, warnte der amerikanische Wissenschaftler. Nach Ansicht Snowers wäre langfristig eine Verschuldungsobergrenze der USA von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinnvoll. Zur Zeit beträgt die Quote der Staatsschulden mehr als 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, Tendenz steigend – damit sind die USA in einer Reihe mit Italien und Japan. dpa

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