Wirtschaft : Ratlos nach dem Absturz

Henrik Mortsiefer

Der Dax ist in sechs Handelstagen um mehr als neun Prozent gefallen, 560 Punkte büßte er zwischenzeitlich ein. Mit einem solchen Rückschlag hatten selbst Pessimisten nicht gerechnet. Ratlosigkeit macht sich bei Privatanlegern breit, weil die Anlagealternativen nicht wirklich attraktiv sind.

Die gewachsene Furcht vor einer steigenden Inflation in den USA heizt nicht nur am Aktienmarkt die Spekulationen um steigende Zinsen an. Auch der Rentenmarkt kämpft mit Unsicherheiten. Außerdem hat sich an den für Aktien relativ günstigen Rahmenbedingungen (niedrige Zinsen, günstige Bewertungen, steigende Firmengewinne) kaum etwas geändert. Entsprechend lautstark wird deshalb in den Verkaufsabteilungen der Banken Überzeugungsarbeit geleistet.

Nach Meinung von J P Morgan Asset Management handelt es sich um einen „zyklischen Bereinigungseffekt“. Zwar sei zu erwarten, dass dieser noch einige Zeit anhalte, doch sollten sich Anleger nicht beirren lassen: „Aktien sind nach wie vor von gutem Gewinnwachstum und attraktiven Bewertungen gestützt.“ Auch die DZ Bank hält an ihrer optimistischen Dax-Prognose – 6200 Punkte in sechs Monaten – fest. Unter „Timinggesichtspunkten“ rät sie aber dazu, „Neuengagements bis zu einer Bodenbildung vorerst zurückzustellen“. Fraglich, wann der Boden erreicht ist. Deutlicher wird Helaba Trust: „Eine Fortsetzung des bisherigen Aufwärtstrends ist wenig wahrscheinlich.“ Der Rat: eine „mögliche zwischenzeitliche Kurserholung zum weiteren Abbau von Aktienpositionen“ nutzen.

Anlegern bleibt angesichts der widersprüchlichen Empfehlungen, nichts als kühlen Kopf zu bewahren: Depots mit Stopp-loss-Aufträgen, Zertifikaten oder Optionsscheinen absichern – und abwarten, wie die trendsetzenden Großanleger auf die Verkaufswelle reagieren.

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