Wirtschaft : Raus aus dem Hamsterrad Immer mehr Beschäftigte leiden an Burnout

Auszeit. Auch Renée Zellweger legte wegen Burnout eine Drehpause ein. Foto: T. Rückeis
Auszeit. Auch Renée Zellweger legte wegen Burnout eine Drehpause ein. Foto: T. Rückeis

Die Promi-Liste ist lang. Ex-SPD-Chef Matthias Platzeck, Schauspielerin Renée Zellweger, Fernsehkoch Tim Mälzer, Skispringer Sven Hannawald, US-Popstar Mariah Carey, Profifußballer Sebastian Deisler – und zuletzt auch Schalke-Trainer Ralf Rangnick. Sie alle zogen wegen völliger Erschöpfung die Reißleine.

Die bekannten Persönlichkeiten haben damit Schlagzeilen gemacht. Doch Burnout ist keine Prominentenkrankheit. Viele andere Menschen in Deutschland fühlen sich in der permanenten Tretmühle des Arbeitsalltags ausgelaugt, überfordert, verzweifelt, kraftlos.

Burnout ist kein neues Phänomen. Doch es nimmt bedrohliche Formen an, wie Studien immer wieder bestätigen. Die globalisierte Arbeitswelt, die internationalen Verflechtungen von Konzernen, der Konkurrenzdruck – alles zusammen hat die Anforderungen erhöht, das Tempo beschleunigt. Unbestritten ist, dass die persönliche Kompetenz, mit Druck umzugehen, eine Rolle spielt: Manche sind stressresistenter als andere, die dann auch früher an ihr Limit kommen.

Fachleute sprechen von zwölf Stadien beim Burnout. Anfangs gehe es nur darum, sich zu beweisen, sagen sie. Die Suche nach Anerkennung kann sich krankhaft steigern. Dann grassiert die Angst, nicht mehr mitzukommen. So beschleunigt sich die Erschöpfungsspirale. Bleibt die Anerkennung aus, oder wachsen die Selbstzweifel, kann das zu Depressionen bis hin zum Suizid führen.

Die Gewerkschaft IG-Metall hat Betroffene befragt. Daniel S. (46), Manager eines Konzerns, beschreibt seine Situation so: Die Zielvorgaben seien – trotz persönlichem Höchsteinsatz „fast rund um die Uhr“ – nicht zu schaffen gewesen. „Das ist ein systematischer Verschleiß an Menschen. Ich habe gekündigt, weil ich einfach nicht mehr konnte.“ Leiharbeiterin Margitta B. (50) litt nach eigenen Worten unter permanentem Arbeitsdruck und der Angst vor Kündigung. „Der Druck hat mich krank gemacht“, sagt sie.

Für IG-Metall-Vorstand Hans-Jürgen Urban ist Burnout „das Ende einer Spirale aus ständiger Überlastung, aus immer neuen Arbeitsanforderungen und permanentem Zeitdruck“. Aus Gewerkschaftssicht steht daher fest: Vor allem die Arbeitsbedingungen sind schuld. Immer höhere Renditeziele, immer mehr prekäre Beschäftigung und Lohndrückerei, verbunden mit immer flexibleren Arbeitszeiten. Immerhin gibt es für 88 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland keinen klassischen Feierabend mehr, weil sie auch zu Hause ständig erreichbar sein müssen, zitierte unlängst der „Spiegel“ eine Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitcom.dpa

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