Wirtschaft : Raus aus den Miesen Schuldnerberater helfen in finanziellen Krisen

Eine Kündigung, eine Scheidung oder eine Krankheit – es gibt viele Gründe dafür, dass Menschen sich verschulden. Dann wissen sich viele nicht zu helfen: Das Geld reicht vorne und hinten nicht, die Mahnungen flattern ins Haus. Das ist ein Fall für den Schuldnerberater: Er steht Menschen mit Geldsorgen zur Seite. Dafür muss er gut analysieren, beraten und vermitteln können.

Wie das geht, zeigt Peter Zwegat wöchentlich im Fernsehen. Ähnlich wie er arbeiten schätzungsweise mehr als 1000 Schuldnerberater in Deutschland.

Auch Werner Wirtgen ist einer von ihnen. Er ist für die Stadt Duisburg tätig. Beim ersten Treffen mit Verschuldeten schaut er mit Hilfe einer Haushaltsanalyse, wie groß die Lücke zwischen Einkommen und Ausgaben ist und wo gespart werden kann. Dafür sichtet er Unterlagen von Gläubigern wie Forderungen und Mahnungen. Er fragt auch nach Vermögenswerten: Was besitzt die Familie? Wenn die erste Bestandsaufnahme beendet ist, setzt sich Wirtgen mit den Gläubigern in Verbindung und versucht, einen Aufschub oder einen Nachlass für ausstehende Zahlungen auszuhandeln. Häufig besucht er Klienten zu Hause, um sich ein Bild von der Familie zu machen.

Anne Hausmann ist Schuldnerberaterin bei der Verbraucherzentrale Lennestadt im Sauerland. „Auch wenn einem die Probleme der Menschen oft sehr fremd sind, muss man Verständnis dafür entwickeln. Man darf nicht denken, die sind ja selber Schuld an ihren Problemen“, sagt sie. Schon die Kontaktaufnahme mit der Schuldnerberatung sei für die meisten ein Riesenschritt.

Weil jeder Fall anders ist, ist es gut, wenn man Kollegen aus der Branche kennt, die man zu Not anrufen kann. „Die meisten Schuldnerberater sind sehr gut vernetzt“, sagt Heribert Rollik, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV). Das sei wichtig, weil es keine klassische Ausbildung gibt. Spezielle Fortbildungen bereiten auf die Arbeit vor. Sie informieren über Rechtsgrundlagen, Haushaltsführung oder sozialpädagogische Ansätze.

Schuldnerberater sei keine geschützte Berufsbezeichnung, erklärt Heribert Rollik. Schuldnerberater kann sich im Prinzip jeder nennen. Hohe Gehälter gibt es nicht. Schließlich wollen die Verbände an der Beratung nicht noch verdienen: Sie bieten ihre Hilfe kostenlos an.

   „Unbefristete Stellen zu finden, ist nicht so leicht“, erzählt Anne Hausmann. Sie mag an ihrem Beruf, „dass man sehr schnell und konkret helfen kann“. dpa

Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände: www.agsbv.de

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