Wirtschaft : Raus aus der Firma, rein in die Börse

Finanzinvestoren wollen sich über den Verkauf an der Börse zurückziehen / Grohe, Brenntag und Amadeus sind Kandidaten

Robert Landgraf/Hans Nagl (HB)

Frankfurt am Main - Auf den Aktienmarkt kommt eine Welle von Börsengängen zu. Denn Private-Equity-Häuser wollen bei Unternehmen wie dem Badarmaturenhersteller Grohe, dem Chemikalienhändler Brenntag und dem Reise-Reservierungsveranstalter Amadeus aussteigen – und zwar über den Weg aufs Börsenparkett. Schätzungsweise 30 bis 35 Unternehmen würden im nächsten Jahr in Deutschland börsenreif, schätzt Lars Stiewe, Direktor Aktienemissionen bei BNP Paribas. „Die Aktienmärkte sind aktuell in besserer Verfassung als der Markt für Fusionen und Übernahmen“, ergänzt Dirk Notheis, Deutschlandchef von Morgan Stanley. Viele Private-Equity-Häuser bereiteten daher Börsengänge ihrer Gesellschaften vor. Angesichts der hohen Liquidität an der Börse seien dort mitunter bessere Preise zu erzielen, als das bei einem klassischen Verkauf an einen strategischen Käufer oder an andere Finanzinvestoren möglich sei, sagte Notheis dem „Handelsblatt“.

Zudem steige die Liquidität an der Börse durch die hohen Zuflüsse in die Aktienfonds ständig an. „Die Kreditmärkte funktionieren dagegen nach wie vor nur sehr schleppend“, stellt der Investmentbanker fest. Zur Sicherheit bieten die Finanzinvestoren die Gesellschaften in der Regel als sogenannten Dual Track an, wie Ken Oliver Fritz von der Credit Suisse feststellt. Das heißt: Ein Börsengang wird angestrebt, aber auch ein Verkauf an einen strategischen Investor aus derselben Branche oder ein anderes Beteiligungsunternehmen sind möglich. Recht weit gediehen mit den Vorbereitungen für einen Börsengang ist der Finanzinvestor BC Partners mit dem Chemikalienhändler Brenntag. Insgesamt sollten im ersten Halbjahr 2010 alte und neue Aktien im Wert von bis zu 1,5 Milliarden Euro platziert werden, sagen mehrere mit den Plänen vertraute Personen.

Ekkehard Frantzke, Partner beim Berater AT Kearney, erwartet bis zu zehn Börsengänge aus den Portfolien von Finanzinvestoren im nächsten Jahr. „Die Größenordnung liegt im Schnitt bei einer halben bis zu einer Milliarde Euro.“ Die Platzierung biete gute Chancen für die Private-Equity-Häuser, die Schulden ihrer Beteiligungsfirmen zurückzuführen und gleichzeitig Geld für die Ausschüttung an die Fonds in die Kasse zu bekommen. Der Nachteil bei Börsengängen ist nach den Worten von Stiewe, dass ein Abschlag auf den Unternehmenswert als Kaufanreiz gewährt werden muss.

Zu den Börsenkandidaten zählt der Reise-Reservierungsveranstalter Amadeus. Die Eigner, darunter die beiden Finanzinvestoren BC Partners und Cinven und diverse Fluglinien, prüfen die Emission von etwa 30 Prozent des Aktienkapitals, berichten Finanzkreise. Außerdem steht der Badarmaturenhersteller Grohe auf der Liste möglicher Börsengänge. Die Messtechnikfirma Elster ist genauso mit dabei wie die Schweizer Nycomed, die Anfang 2007 die Pharmasparte des Bad Homburger Altana-Konzerns gekauft hatte. Von Bankern werden zudem die beiden großen deutschen Kabelfirmen Kabel Deutschland (KDG) und Unitymedia genannt, die den Finanzinvestoren Providence beziehungsweise BC Partners und Apollo gehören.

Bislang kommt der Markt für Börsengänge noch nicht in Schwung. Anders sieht es bei Kapitalerhöhungen aus. Für Aufsehen sorgte zuletzt der Baustoffhersteller Heidelberg Cement, der auf diesem Wege mehr als vier Milliarden Euro einspielte. Erleichtert wurde der Schritt auch von Hedge-Fonds. Sie zeigten inzwischen wieder Interesse an deutschen Aktien, stellt Stiewe fest. Das gelte gerade bei Kapitalerhöhungen, aber künftig wohl auch für Börsengänge.Robert Landgraf/Hans Nagl (HB)

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