Wirtschaft : Raus aus der Öko-Nische

BERLIN (guk).Für Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke hat die Absicherung ökologischer und sozialer Mindesstandards Priorität bei den bevorstehenden Verhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO).Deutsche Unternehmen der Lebensmittelproduktion forderte er am Donnerstag auf dem Agrarforum des Deutschen Bauernverbandes während der Grünen Woche zu verstärkter Zusammenarbeit auf.Da der Wettbewerb auf dem Lebensmittelmarkt noch härter werde, sollten auch Fusionen Thema sein.Besonders bei den Schlachthöfen und Molkereien sieht Funke noch Nachholbedarf.Auch die Bauern sollten sich stärker in "Verbundsystemen" engagieren, sagte Funke.Vorbildlich sei die Kartoffel- und die Geflügelwirtschaft in Niedersachsen.Die Bauern würden so zu einem "interessanten Partner" für die Lebensmittel-Industrie.Funke will ferner ein Konzept zur Förderung des ökologischen Landbaus entwickeln.Er sieht in Ökoprodukten eine besondere Chance für die Bauern.Die derzeitige Fläche mit ökologisch orientiertem Landbau von 2,3 Prozent könnte noch wesentlich vergrößert werden, da es ein großes Absatzpotential gebe.Den Landwirten will er aus der Nische helfen und Ökoprodukte über unterschiedliche Vertriebswege vermarkten.

Im Gegensatz zu Funke sieht der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, Erfolge bei der Neustrukurierung der Molkereiwirtschaft in Deutschland.Dennoch appellierte er an das deutsche Kartellamt, Fusionen von Lebensmittelproduzenten zu erlauben.Das Kartellamt sollte dabei ganz Europa betrachten.Die größten Fleischproduzenten in Europa hätten nur einen Marktanteil von drei Prozent, in den USA seien es bis zu 17 Prozent.Um das Vertrauen der Verbraucher in die Qualität der Lebensmittel wieder zu gewinnen, will Sonnleitner den gesamten Prozeß der Nahrungsmittelproduktion dokumentieren.Dafür hat die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) die Tochtergesellschaft Orga-Invent gegründet.Durch diese Dokumentation soll der Verbraucher an der Ladentheke eindeutig über die Qualität der Produkte informiert werden.Erneut kritisierte Sonnleitner die Reformvorschläge von EU-Agrakommissar Franz Fischler.Anstatt die Bauern für die nächste WTO-Runde fit zu machen, würden sie immer mehr von der Politik abhängig, und die Bürokratie würde vergrößert.Die osteuropäische Ernährungswirtschaft erhalte keine Chance sich zu erneuern, um dem westeuropäischen Druck standzuhalten.Auch bemängelte er, daß die nächste WTO-Runde nicht mit ersten Schritten zur Festlegung einheitlicher Produktions- und Umweltstandards starte.

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