Wirtschaft : Raus aus der Schmuddelecke

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Von Claudia Keller

Sollte die CDU im Herbst an die Regierung kommen, will sie das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz abschaffen. Dann würden für Zeitarbeitnehmer die gleichen Bestimmungen gelten wie für alle anderen Arbeitnehmer auch. Die Konservativen erhoffen sich dadurch Impulse für die Vermittlung von Arbeitslosen. Die Hoffnung könnte aufgehen. Bisher arbeitet in Deutschland lediglich rund ein Prozent aller Arbeitnehmer auf Zeit. In Holland, wo es kein Zeitarbeitsgesetz gibt, sind es 4,5 Prozent.

Das heute geltende Arbeitnehmerüberlassungsgesetz ist von der Grundüberzeugung bestimmt, dass gering qualifizierte und unterbezahlte Arbeitnehmer vor unseriösen Ausbeutern beschützt werden müssen. Dies aber geht für viele Unternehmen und Beschäftigte der Branche an der Realität vorbei. Kaum eine Firma kommt heute noch ohne Zeitarbeit aus. Die Personalchefs großer und kleiner Unternehmen haben mittlerweile Erfahrungen mit Zeitarbeitsunternehmen gesammelt, viele von ihnen nutzen Zeitarbeitnehmer, um zu testen, ob sie sich für eine Festanstellung eignen. Sie schätzen die Firmen, weil sie ihnen zeitaufwändige Stellenausschreibungen und Bewerbungsgespräche abnehmen. Auch aus diesem Grund ist die Zeitarbeit für viele Beschäftigte eine Alternative geworden: Immer mehr Arbeitslose rutschen so in einen Betrieb hinein, bei dem sie sonst nicht einmal ein Vorstellungsgespräch bekommen hätten. Das könnten die Arbeitsmarktpolitiker stärker nutzen als bisher - wenn sie das Gesetz liberalisieren.

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