Razzia bei Air Berlin : Hunold wehrt sich

Der Konzernchef beteuert, dass Aktienkäufe ordnungsgemäß gemeldet und im Internet veröffentlicht wurden. Die Börse befürchtet nun, dass Hunold seinen Posten räumen muss.

Hernik Mortsiefer,Juliane Schäuble
Joachim Hunold
Unter Druck: Air-Berlin-Chef Joachim Hunold -Foto: ddp

Berlin - Air-Berlin-Chef Joachim Hunold hat sich gegen den Verdacht des illegalen Insiderhandels mit Aktien gewehrt. Der Chef der zweitgrößten deutschen Fluglinie, sein Aufsichtsratschef und weitere Manager des Unternehmens waren am Dienstag ins Visier der Justiz geraten. Bislang sechs Beschuldigten wird vorgeworfen, im Juni 2006 Insiderwissen über die geplante Übernahme des Billigfliegers dba verwendet zu haben, um massiv Aktien zu erwerben.

Am Vormittag hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart in sechs Städten zehn Büros und Wohnungen durchsucht, darunter auch Hunolds Privaträume und die Berliner Firmenzentrale. Der Air-Berlin- Chef betonte, der Konzern werde sich gegenüber den Ermittlungsbehörden kooperativ zeigen und sei an einer schnellen Klärung der Vorwürfe interessiert. „Air Berlin hat diese Aktienkäufe ordnungsgemäß der Finanzaufsicht gemeldet und im Internet veröffentlicht“, teilte er mit. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) habe die Käufe bereits im Frühherbst 2006 untersucht und nicht weiter beanstandet. Zutreffend sei, dass bereits am 26. Mai 2006 eine Geheimhaltungsverpflichtung zwischen Air Berlin und dba geschlossen worden sei und man danach mit einer rechtlichen und wirtschaftlichen Prüfung eines möglichen dba-Kaufs begonnen habe. Doch sei dieser Kauf damals noch höchst unwahrscheinlich gewesen. Die dba-Übernahme wurde am 17. August 2006 bekannt gegeben, daraufhin schoss der Aktienkurs um zwölf Prozent in die Höhe. „Bis zum Vorabend stand der Deal auf der Kippe“, verteidigt sich Hunold.

Ähnlich sieht das der damalige Eigner der Münchener Fluggesellschaft, der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl. Jeder Beteiligte habe gewusst, „wie offen der Ausgang der Verhandlungen war“, sagte Wöhrl dieser Zeitung. Selbst beim Notar sei ein Scheitern noch möglich gewesen. Der Erwerb von Aktien zu einem so frühen Zeitpunkt hätte demzufolge keinerlei Vorteile aus Insiderwissen gebracht. Der Verdacht habe ihn daher auch „völlig überrascht.“

Auch Aufsichtsratschef Johannes Zurnieden weist alle Vorwürfe zurück. „Ich habe kein schlechtes Gewissen. Ich fühle mich unschuldig wie ein Lamm“, sagte Zurnieden dem Handelsblatt.

Neben Hunold und Zurnieden sind noch drei Air-Berlin-Abteilungsleiter von der Bafin angezeigt worden und eine bislang ungenannte sechste Person. „Der Kreis kann inzwischen aber noch größer geworden sein“, sagte eine Bafin-Sprecherin dem Tagesspiegel. Zu den möglichen Insidern gehörten eventuell nicht nur Mitglieder der Konzernführung.

Nach Bekanntgabe der Ermittlungen verlor die Air-Berlin-Aktie zeitweise fast acht Prozent auf 15,30 Euro. Malte Diesselhorst, Berliner Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, wertete den massiven Kursverlust des Papiers als Vertrauensverlust des Kapitalmarktes. „Die Börse macht sich Sorgen, dass Joachim Hunold den Vorstandsvorsitz abgeben muss und das Unternehmen dadurch Schaden nimmt“, sagte Diesselhorst dem Tagesspiegel. „Ein Insiderverstoß wäre gravierend.“ Die Strafanzeige der Bafin spreche für einen ernst zu nehmenden Verdacht, „sonst würde nicht so viel Wind gemacht“. Wenn es zu einem Strafverfahren käme, dann wären Vorstands- und Aufsichtsratschef nicht mehr haltbar.

Dieser Ansicht ist auch Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. „Es wäre schlimm für das Unternehmen und für Berlin, wenn etwas an Hunold hängen bliebe.“ Ohne den Vorstandschef gäbe es die Fluggesellschaft nicht. Das Wachstum von Air Berlin sei eine „Erfolgsgeschichte für Berlin“. Allerdings sei auch Hunold inzwischen ersetzbar. „Ein erfahrener Manager aus der Branche könnte im Fall des Falles Air Berlin weiter führen.“ Es bleibe zu hoffen, dass die Ermittlungen jetzt zügig zum Abschluss gebracht würden und keine Hängepartie für Mitarbeiter und Aktionäre entstehe.

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