Wirtschaft : Razzia bei der Commerzbank Verdacht der Steuerhinterziehung

Frankfurt am Main - Rund 270 Steuerfahnder haben am Dienstag die Zentrale und mehrere Niederlassungen der Commerzbank durchsucht. Sie vermuten, dass ein ausländischer Versicherungskonzern, mit dem das zweitgrößte deutsche Geldhaus zusammenarbeitet, deutschen Kunden bei der Hinterziehung von Steuern geholfen hat. Es bestehe der Verdacht, dass der Versicherer Anlegern seit 2006 „in mehr als zweihundert Fällen“ Beihilfe zur Hinterziehung von Einkommensteuer geleistet habe, erklärte die Staatsanwaltschaft Bochum, die auf die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität spezialisiert ist.

„Die Ermittlungen richten sich nicht gegen die Bank, sondern gegen einzelne Mitarbeiter eines anderen Finanzdienstleisters“, sagte ein Commerzbank-Sprecher. Laut Staatsanwaltschaft werden bei der durchsuchten Großbank die Depots zu den verdächtigen Lebensversicherungsverträgen geführt und verwaltet. Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ steht im Zentrum der Ermittlungen eine Tochter des italienischen Versicherers Generali, die ihren Sitz in Irland hat. Auf deren Internetseite werde die Vermögensverwaltungssparte der Commerzbank als „Konzernpartner“ genannt. Generali wollte sich zu dem Thema zunächst nicht äußern.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat die Versicherung mit deutschen Kunden Verträge abgeschlossen, die nach außen als steuerprivilegierte Lebensversicherungen verkauft wurden. „Auf diese Weise sollte den betreffenden Kunden ermöglicht werden, daraus erwirtschaftete Kapitalerträge nicht zu versteuern“, erklärte die Behörde. In Wirklichkeit habe es sich aber um „verschleierte Vermögensverwaltungsverträge“ gehandelt.

Laut „Handelsblatt“ könnten die Kunden mithilfe der sogenannten „Lebensversicherungsmäntel“ Steuern in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro hinterzogen haben. rtr

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