Wirtschaft : Razzia bei Großfleischer Tönnies

Rheda-Wiedenbrück/Bochum - Europas größter Fleischverarbeiter Tönnies ist ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. In rund 30 Gebäuden seien Wohn- und Geschäftsräume durchsucht worden, teilte die Staatsanwaltschaft Bochum mit. Das Unternehmen stehe unter Verdacht, Lieferanten und Kunden betrogen und Arbeitnehmer illegal beschäftigt zu haben.

Beamte der Staatsanwaltschaft sowie des Landeskriminalamts und der Steuerfahndung Bielefeld durchsuchten Räume in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie auf Zypern. Hinweise für Verarbeitung oder Verkauf sogenannten „Gammelfleisches“ gebe es aber nicht. Das Unternehmen bestätigte die Durchsuchungen und kündigte an, es wolle die Ermittlungen nach Kräften unterstützen. „Wir gehen davon aus, dass sich die Vorwürfe als haltlos erweisen“, sagte ein Unternehmenssprecher.

Unterdessen hat die EU beschlossen, dass Gammelfleisch von Mitte 2008 an in Deutschland eingefärbt werden kann. Damit solle der Verbraucher besser geschützt werden. Einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission billigten die EU-Staaten am Mittwoch. Das Einfärben wird vom 1. Juli 2008 an aber nur auf nationaler Ebene erlaubt. Beim Warenverkehr zwischen den Mitgliedsstaaten soll dann eine verschärfte Kennzeichnungspflicht greifen.

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner geht das noch nicht weit genug. Nach dem jüngsten Gammelfleischskandal in Bayern forderte er ein schärferes Vorgehen auf europäischer Ebene. Eine ständige Rückverfolgbarkeit sei notwendig, sagte Sonnleitner am Mittwoch in Berlin. Der Bauernpräsident rief die Dönerwirtschaft dazu auf, Selbstverpflichtungen einzugehen und die Ware neutral prüfen zu lassen.dpa/pet

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