Razzien : Deutschland sucht den Steuersünder

Der Besuch der Fahnder beim scheidenden Post-Chef Klaus Zumwinkel war nur der Anfang: Nun geht es weiteren Steuersündern an den Kragen. In München, Frankfurt sowie zahlreichen weiteren Orten finden Razzien statt. Und es gibt erste Anzeichen für eine Panik unter Steuersündern.

Durchsuchungen
Beschlagnahmte Aktenordner. Deutsche Fahnder durchsuchen im Rahmen der Liechtensteiner Steueraffäre Geschäftsräume. -Foto: ddp

Die Liechtensteiner Steueraffäre geht weiter. Die Münchner Staatsanwaltschaft bestätigte Durchsuchungen in ihrem Zuständigkeitsgebiet. Nach Medienberichten wurden aber auch in den Großräumen weiterer Städte Büro- und Privaträume mutmaßlicher Steuerhinterzieher durchsucht: darunter Ulm, Stuttgart, Frankfurt, Hamburg. "Focus" berichtet zudem von geplanten Durchsuchungen bei prominenten Millionären im Rheinland. Laut "Spiegel Online" waren 37 Steuerfahnder, acht Staatsanwälte und einige hundert Polizeikräfte an den Aktionen beteiligt. Für diese Woche seien 125 Razzien geplant.

Auch die Hauptstadt bleibt nicht außen vor: Die Senatsverwaltung für Finanzen rechnet mit einer zweistelligen Zahl von Fällen. "Heute war noch ein ruhiger Tag in Berlin. Es sollen alle noch einmal Zeit haben, ihre Selbstanzeige abzugeben", sagt Wolfgang Lübke, einer der Leiter der Berliner Steuerfahndung. Wie in anderen Städten gibt es auch hier den Auftrag der Bochumer Staatsanwaltschaft, gegen mutmaßliche Steuerhinterzieher zu ermitteln. Laut Aussage der Behörden kam es jedoch noch zu keiner Welle von Selbstanzeigen. Anders die Online-Ausgabe des "Handelsblattes": "Es rappelt jetzt mit Selbstanzeigen", heißt es mit Berufung auf Strafverfolger. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die ersten prominenten Namen bekannt würden.

Reich aber unbekannt?

Nach Bekanntwerden der Steueraffäre von Post-Chef Klaus Zumwinkel wird im Lauf der Woche eine Welle von weiteren Hausdurchsuchungen erwartet. Wie die "Süddeutsche Zeitung" erfahren haben will, wollen die Fahnder pro Tag 20 bis 25 Wohnungen und Büros durchsuchen. Allerdings wird erwogen, die Durchsuchungen auszusetzen, falls der Medienrummel wie im Fall Zumwinkel anhält. Zur Razzia bei dem bisherigen Postchef am vergangenen Donnerstag waren mehrere Fernsehteams erschienen; das ZDF war vor Eintreffen der Fahnder vor Ort.

Bundesregierung erwartet millionenschwere Rückzahlungen

Die Bundesregierung erhofft sich von den Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Betrüger mehrere hundert Millionen Euro aus Steuernachforderungen. Für die Daten, die auch zu Zumwinkels Verhaftung führten, wurden an einen unbekannten Informanten etwas mehr als vier Millionen Euro gezahlt, räumte Finanzministeriums-Sprecher Torsten Albig ein. Dabei scheint noch unklar, um welchen Betrag es sich genau handelt und wer ihn letztlich bezahlen soll. Nach Informationen der "Süddeutschen" schwebe den Beamten in Berlin vor, der Bund und das Land NRW könnten sich die Zahlung teilen. Dessen Finanzminister Helmut Linssen lehnt eine solche Regelung aber ab: "Das ist nicht unser Bier", so Linssen zur "Süddeutschen". (ck/dpa/ddp/AFP)

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