Reaktionen : Zwischen Skepsis und Euphorie

Reaktionen auf die konzertierte Aktion von Industrie und Politik. Der ADAC glaubt weiter an Verbrennungsmotoren - und bleibt der Veranstaltung am Montag fern.

München/Berlin - Die Elektroauto-Euphorie begeistert nicht jeden. So blieb der ADAC der Veranstaltung am Montag fern, weil dort Autofahrerinteressen keine Rolle spielten. In Wahrheit werde es auf Jahre keine E-Autos geben, deren Nutzwert auch nur annähernd an Autos mit Verbrennungsmotor heranreicht, betonte ADAC-Experte Dieter Wirsich in München. Mehr als 200 bis 300 Kilometer Reichweite sei nicht drin. In den kommenden Monaten kämen zwar erste Elektro-Serienmodelle auch auf den deutschen Markt. Mit Preisen von rund 40 000 Euro und einer Größe, die nicht einmal an einen VW-Polo heranreicht, seien sie aber viel zu teuer.

„Wir sind nicht gegen Elektroautos“, stellte Wirsich klar. Es gebe indes noch viele offene Fragen. Das Unfallverhalten sei vor allem mit Blick auf die Hochvolt-Batterien noch nicht ausreichend getestet. Werkstätten würden sich mit der neuen Technologie kaum auskennen. Und beim jetzigen Kraftwerkmix sehe die Ökobilanz eines Elektroautos schlechter aus als die eines schadstoffreduzierten Verbrennungsmotors. Jack Short, Generalsekretär des Weltverkehrsforums, warnte davor, Elektroautos zu rasch in den Markt zu drücken. „Liegen gebliebene Elektroautos mit kaputten Batterien wären ein Marketingdesaster“, sagte er. Bei Fahrzeugen mit konventioneller Technik komme dies dagegen kaum noch vor.

Das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 rund eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen, stößt bei Fachleuten auf Skepsis. „Das ist zumindest aus deutscher Produktion sehr ehrgeizig“, sagte Gregor Matthies, Automobilexperte bei der Beratungsfirma Bain & Company in München. Lege man die derzeit bekannten Pläne der deutschen Hersteller zugrunde, könne er sich nur sehr schwer vorstellen, wo diese Autos herkommen sollen. „Es bedeutet, dass ab dem Jahr 2016 allein in Deutschland bis zu 250 000 pro Jahr zugelassen werden müssten“, sagte Matthies. Bisher gebe es aber nur konkrete Pläne für Elektroautos, die in drei bis vier Jahren langsam und in kleinen Serien auf den Markt kommen sollen.

Die deutsche Industrie liege hinter der Konkurrenz aus China, Frankreich, Japan oder den USA zurück. Dort könnten die Hersteller häufig auf eine nationale Förderpolitik von mehr als zehn, im Falle von Japan sogar 40 Jahren zurückblicken. „Deutschland steht bei der Förderung dagegen erst am Anfang“, sagte Matthies. Trotz des späten Starts könne die deutsche Industrie aber aufholen. Dabei gehe die Regierung mit der Gründung einer Plattform einen entscheidenden Schritt. Eine zentrale Steuerung im Zusammenwirken aus Politik, Forschung und Wirtschaft sei wichtig. Vor allem müssten laufende Forschungsprojekte stärker vernetzt werden. Als große Chance für die Industrie bezeichnete auch Klaus Engel, Vizepräsident des Verbandes der Chemischen Industrie, den Start der Plattform. „Die deutsche Industrie hat aufgrund ihrer starken Vernetzung alle Voraussetzungen, um Technologieführer zu werden“, sagte Engel, der den Vorsitz der Arbeitsgruppe Batterietechnologien übernimmt.

Die Speicherung sei das zentrale Thema. „Die möglichen Anwendungen von Lithium-Großbatterien könnten eine ganze Industrielandschaft revolutionieren“, sagte Engel. „Um die Technologie weiterzuentwickeln, braucht es erhebliche Anstrengungen. Die Regierung sollte ihr Versprechen einlösen und rasch eine steuerliche Forschungsförderung einführen“, forderte Engel. Eine solche Förderung schaffe für alle Firmen Anreize, mehr Geld auszugeben.tmh/dpa/brö

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben