Wirtschaft : Real bringt Metro rote Zahlen

Handelskonzern senkt Gewinnprognose/Tengelmann will auch in Deutschland neue Jobs schaffen

Bernd Hops

Berlin - Der Handelskonzern Metro hat große Probleme mit dem Lebensmitteleinzelhandel. Die deutschen Real-Verbrauchermärkte vermiesen die Gesamtbilanz des Unternehmens. Am Mittwoch überraschte Metro mit der Nachricht, dass sich Umsatz und Ergebnis in diesem Jahr schlechter entwickeln werden, als bisher erwartet. Als Grund wurde vor allem das bisher schlechte Abschneiden von Real angeführt. Metrochef Hans-Joachim Körber sagte bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal: „Mit der Geschäftsentwicklung bei Real sind wir nicht zufrieden.“ Die zuletzt eingeleiteten Maßnahmen hätten bisher nicht zu einer Verbesserung des Geschäfts in Deutschland geführt. Wie die Kosten gesenkt werden könnten, darüber müsse nun mit den Arbeitnehmervertretern gesprochen werden.

Kunden waren im Frühjahr durch einen Fleischskandal in zwei Real-Märkten abgeschreckt worden. Zum anderen leidet Metro unter der anhaltenden Kaufzurückhaltung der deutschen Konsumenten.

Eine Sprecherin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi warf dem Konzern vor, „dass Managementfehler nun teilweise über die Personalkosten refinanziert werden sollen“. Bei den Nachtschichten, in denen die Regale beschickt werden, sollen demnach die bisher fest Angestellten massiv durch geringfügig Beschäftigte ersetzt werden. An den Kassen wiederum sollen nach Metro-Plänen verstärkt ungelernte und befristet angestellte Mitarbeiter sitzen, sagte die Verdi-Sprecherin.

Eine Real-Sprecherin wehrte sich gegen die Vorwürfe. Derzeit gebe es keine derartigen Pläne, sagte sie dem Tagesspiegel. Man habe auch nicht vor, den Anteil der geringfügig Beschäftigten erheblich zu steigern. Aktuell liege deren Anteil an den Vollarbeitskräften lediglich bei 1,38 Prozent.

Zum wichtigsten Standbein hat sich für Metro das Auslandsgeschäft entwickelt. Im dritten Quartal lag der Umsatzanteil mittlerweile bei 53,1 Prozent. Außerhalb Deutschlands verkaufte Metro – zu dem Konzern gehören auch Galeria Kaufhof, Media Markt, Saturn, Metro Cash&Carry und Extra – 11,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In Osteuropa lag das Plus sogar bei mehr als einem Fünftel. Der Konzernumsatz stieg aber wegen des schwachen Heimatmarkts Deutschland nur um 4,9 Prozent auf 14,06 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern kletterte um 18,1 Prozent auf 248,7 Millionen Euro.

In Berlin beschäftigt Metro etwa 5700 Menschen und betreibt unter anderem neun Real-Märkte mit rund 1200 Beschäftigten und 35 Extra-Filialen, in denen etwa 1260 Menschen arbeiten.

Für das Gesamtjahr rechnet Metro nun mit einem Umsatzanstieg von „rund vier Prozent“. Zuvor hatte die Prognose noch bei fünf bis sechs Prozent gelegen. Auch der Gewinn wird wahrscheinlich niedriger ausfallen. Weil Real in die roten Zahlen gerutscht ist, kann Metro bestehende Verlustvorträge vorerst nicht nutzen, die aber noch in die Bilanz eingestellt sind. Es werde jetzt geprüft, ob die Vorträge herausgenommen werden müssen, sagte ein Konzernsprecher dem Tagesspiegel. Sie verfielen zwar nicht, doch sei unklar, wann sie genutzt werden könnten. Metrochef Körber rechnet damit, dass Real in zwei bis drei Jahren wieder das Niveau von 2004 erreichen wird, als die Konzerntochter schwarze Zahlen schrieb. Für den zweiten Problemfall, die Praktiker-Heimwerkermärkte, will Metro einen Börsengang forcieren. Am kommenden Montag sollen Details vorgestellt werden.

Dagegen gab es vom Handelskonzern Tengelmann gute Nachrichten. Europaweit sollen im laufenden Geschäftsjahr 5000 neue Arbeitsplätze entstehen – auch in Deutschland. Vor allem die Discounttöchter Plus und Kik entwickelten sich sehr gut. Aber auch die Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann und die Obi-Heimwerkermärkte schreiben schwarze Zahlen, wie das Unternehmen am Mittwoch berichtete. Einzig das US-Geschäft trübt die Bilanz, während der Umsatz in Europa im Geschäftsjahr 2004/05 auf Rekordhöhe stieg. Insgesamt setzte Tengelmann 26,34 Milliarden Euro um, davon knapp 18 Milliarden in Europa. In Berlin und Umland betreibt der Konzern 600 Kaiser’s- und Plus-Filialen mit 8856 Beschäftigten.

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