Reallöhne sinken : Arbeitnehmer verdienen weniger

Jetzt ist es amtlich: Im vergangenen Jahr hat die Inflation die Lohnerhöhungen aufgefressen, hat das Statistische Bundesamt herausgefunden. Nur wer unter einen Tarifvertrag fällt, steht besser da. Der Rest hatte weniger in der Tasche.

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Weniger statt mehr: Im Schnitt sind die Löhne 2013 preisbereinigt um 0,2 Prozent gesunken.
Weniger statt mehr: Im Schnitt sind die Löhne 2013 preisbereinigt um 0,2 Prozent gesunken.Foto: dpa

Wenige Tage ist es her, da lobte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die soziale Marktwirtschaft. Die sei deshalb groß geworden, weil die Menschen wussten, dass sich Arbeit lohne, sagte der SPD-Politiker.
Doch spätestens seit Donnerstag dürfte dieser Glaube ein wenig erschüttert worden sein. Denn nach den neuen Zahlen, die das Statistische Bundesamt präsentierte, hatten die Arbeitnehmer im vergangenen Jahr nicht mehr, sondern weniger in der Tasche. Weil die Inflation (plus 1,5 Prozent) die Lohnerhöhungen (plus 1,3 Prozent) komplett aufgefressen hat, sind die Reallöhne in Deutschland um 0,2 Prozent gesunken. Den ersten Rückgang seit drei Jahren erklären die Statistiker vor allem damit, dass Sonderzahlungen bei Banken, Versicherungen und in der öffentlichen Verwaltung niedriger ausgefallen sind als im Vorjahr. In der Industrie seien die Löhne dagegen stärker gestiegen als die Inflation.

Grafik: Gitta Pieper-Meyer


Gewerkschaftsmitglieder hatten es dagegen deutlich besser. Nach Berechnungen des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung kletterten die Tariflöhne 2013 im Schnitt um 2,7 Prozent, preisbereinigt blieb so immer noch ein Plus von 1,2 Prozent. Das Problem: Nur noch jeder zweite Beschäftigte ist tarifgebunden, profitiert also vom Verhandlungsgeschick der Gewerkschaften. Für diejenigen, die noch unter die Tarifverträge fallen, könnte 2014 aber ein gutes Jahr werden. Die 550 000 Beschäftigten in der Chemieindustrie können sich bereits über 3,7 Prozent mehr Geld freuen, die IG Bau will für die Bauarbeiter sieben Prozent mehr, Verdi verlangt für den öffentlichen Dienst ein Plus von 6,7 Prozent. Die Regierung rechnet auch für dieses Jahr mit einer moderaten Inflation von 1,5 Prozent.


Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) glaubt, dass Verdi gute Karten hat. „Der öffentliche Dienst muss nachziehen“, sagte der Arbeitsmarktexperte dem Tagesspiegel. Man könne nicht die Renten erhöhen und die Beschäftigten außen vor lassen. Zudem müsse die Binnennachfrage angekurbelt werden. Aber auch für nicht tarifgebundene Beschäftigte dürften die Reallöhne steigen, meint Brenke. Der Mindestlohn, der 2015 kommen soll, werfe seine Schatten schon 2014 voraus. „Unterm Strich bleibt etwas übrig.“

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