Wirtschaft : Rechenspiele beim Maut-Ausgleich

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Der Verkehrsminister macht die Vorlage: 600 Millionen Euro, sagt Manfred Stolpe, bekommt er in diesem Jahr vom MautKonsortium als Ausgleich für den Einnahmeausfall. Das will der SPD-Minister in einem Schiedsverfahren mit den Industriekonzernen Daimler-Chrysler, Deutsche Telekom und der französischen Autobahngesellschaft Cofiroute durchsetzen. Macht für die beiden Hauptgesellschafter Daimler und Telekom (je 45 Prozent Anteil an Toll Collect) jeweils 270 Millionen, für die Franzosen 60 Millionen. Die Beklagten sehen das offensichtlich ganz anders: Daimler-Chrysler stellt 100 Millionen Euro in die Risikovorsorge, die Telekom vermutlich 230 Millionen Euro. Wie passt das zusammen?

Die Unterschiede bei den Rückstellungen (siehe Lexikon) der beiden börsennotierten deutschen Konzerne lassen sich noch mit den unterschiedlichen Bilanzierungsstandards erklären. Die Telekom bilanziert nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB). Da müssen alle potenziellen Risiken voll aufgedeckt und gebucht werden. Der Stuttgarter Autokonzern bucht nach den US-amerikanischen GAAP-Bilanzregeln. Da dürfen kleinere Beträge als Vorsorge für mögliche Zahlungen angesetzt werden. Erst wenn gezahlt wird, wird auch voll gebucht.

Und trotzdem passen die Zahlen nicht zusammen. Stolpe bucht natürlich viel höhere Zahlungen als Telekom und Daimler je zubilligen würden. Erst nach Abschluss des Schiedsverfahrens wird sich zeigen, wer zu hoch gepokert hat. Hinzu kommt, dass Daimler wie Telekom neben den drohenden Zahlungen aus Schadenersatzforderungen weitere Sonderaufwendungen am Hals haben, weil das Maut-System mit großer Verspätung erst im Januar 2005 starten soll. Bis dahin müssen sie noch viel Geld investieren – mindestens 700 Millionen Euro hat Toll Collect bereits verschlungen. Und es bleiben die geplanten Einnahmen aus. Immerhin 700 Millionen Euro allein für dieses Jahr. fo

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